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Vom Nutzen einer Homepage

von | 19. Jun 2019 | 0 Kommentare

Vom Nutzen einer Homepage – Morgen nun soll sie an den Start gehen: Meine neue Homepage, meine Website, was ist denn nun eigentlich der richtige Ausdruck.

Ich arbeite in letzter Zeit dauernd daran und weiß noch nicht einmal, was es genau ist. Seit 2003 bin ich ganz selbständig, d.h. ich zahle meine Versicherungen selber, bin völlig verantwortlich für mein Einkommen, mein Auskommen. Da ich seit drei Jahren getrennt lebe und im Juli geschieden werde, war der gesamte Weg auch und vor allem ein Weg zum Selbständigwerden, auch im Leben.

Ich hatte klein angefangen: Als ich wusste, was ich auf den Markt der Welt bringen wollte, war ich um die vierzig, hatte ein Studium geschmissen, war alleinerziehend mit einer Tochter und dabei, eine lange Therapiephase bei einem Psychoanalytiker nach Adler abzuschließen. Während der Therapie hatte sich meine lange verborgen gehaltene Stimme wieder gemeldet und mich zu Tode erschreckt, gleichzeitig intim berührt. Da war etwas…Neues, Zartes geboren, das hatte ich wohl verstecken müssen… Mein schreibendes Ich war geboren. Ein Wunder, das mich bis heute zutiefst bewegt, wenn ich diesen nie endenden Prozess bei mir wahrnehme und bei anderen begleiten darf. Von einem sagenhaften Schreibworkshop zurückgekehrt, 1988, wusste ich definitiv, ich hatte das gefunden, wozu ich geboren war: Zu schreiben, sehr persönlich und andere dazu anzuleiten und zu begleiten, dasselbe zu tun. 1991 sprach ich an der Katholischen Familienbildungsstätte vor, zu der ich eine Verbindung hatte, weil sie sich warmherzig um alleinerziehende Mütter kümmerte. Ja, sagte Monika Müller, die damalige Leiterin, es hört sich wirklich gut an, was Sie da vorhaben. Das Programm wird jedoch bald gedruckt, sie müssen sich also beeilen. Damit meinte sie, eine Ausschreibung zu entwerfen, Kursdaten und ein Konzept zu entwickeln.

Es war aufregend und fiel mir überhaupt nicht schwer. Nach den Ferien würde ich Donnerstags abends, von 20-21:30, einen Schreibworkshop leiten, den ich „Schreiben befreit“ nannte. Das Angebot erzielte ohne Probleme 10 Anmeldungen, die ich brauchte, und das Schicksal nahm seinen Lauf. Am Ende des Kurses hatte ich alle Daten zusammen, um die geforderte Prozessanalyse zu schreiben, die für den Abschluß als „Lehrerin für Kreatives Schreiben“ oder „Poesiepädagogin“ am Institut für Kreatives Schreiben, Berlin, nötig war. Mein Professor, Lutz von Werder, hatte mir grünes Licht gegeben, schon so früh mit Schreibangeboten zu beginnen. Es war einfach meins, und ich war auch als Anfängerin gut, vielleicht manchmal „besser“ als heute, da ich noch jede Sitzung penibel vor- und nachbereitete.

Damals machte man es so, wenn man auf dem ‚grauen Markt‘ tätig war: Wir bastelten unsere Ausschreibungen selber, schnitten, klebten und kopierten, dann hängten wir die originellen Werbezettel an den öffentlichen Plätzen und schwarzen Brettern der Stadt auf. Ich meinte, alle zu kennen, zumindest in zentral Bonn und den Stadtteilen, die ich überwiegend mit dem Fahrrad durchquerte: Vom Bioladen zur Frauenärztin, von der Uni zu den Büchereien, von den einschlägigen hängenden oder stehenden Regalen für Flyer im Ökozentrum, bei Frau Holle, im Frauenmuseum, in den Bildungswerken bis zu Plätzen, die nur Insider kannten: Workshopleiter_innen mit großem Herzen, Yogalehrer, Zentrumsbesitzer, Apotheker.

Als ich mich selbständig machte, es gab einfach keine neuen Stellen mehr für pfiffige Fremdsprachensekretärinnen mehr um die fünfzig, klebte fast keiner mehr. Wer was auf sich hielt, hatte inzwischen einen Laptop und eine Homepage. Die Geburt meiner ersten Homepage war so schwierig und langwierig wie die jetzige. Sie hatte den Vorteil, dass ich drei Freundinnen hatte, die alle mit mir einen 6-monatigen Startup-Kurs vom Arbeitsamt belegt hatten, und wir trafen uns regelmäßig, um uns bei den jeweiligen Gründungen zu unterstützen. Als Schreibende brauchte ich alle Drei: Zum Printdesign, Webdesign, Texten. Die Zusammenarbeit war fruchtbar, wunderbar, inspirierend, und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Sie waren aus einem Guß, und bis vor Kurzem noch, eigentlich immer noch, arbeite ich mit dem damals kreiierten Material: Von Briefpapier zur Webseite. Die Reste des Briefpapieres verwende ich für Rechnungen. Und meine heißgeliebte „alte“ Webseite entwickelte sich nicht mehr wirklich, ich steckte kein tiefes Nachdenken mehr hinein, keine Motivationsüberprüfung, kein Geld. Dafür floss Vieles von dem, von meiner Energie, in Richtung einer stabilen Meditationspraxis und Projekte des engagierten sozialen Buddhismus.

Seit gut einem Jahr arbeite ich daran, mit der Hilfe von Freunden und Profis, die beiden „alten“ Webseiten – denn eine etwas improvisierte war zum Thema Meditation, Zen und engagiertem Buddhismus dazu gekommen – zusammen zu fügen und das, was ich am besten kann und am liebsten der Welt zur Verfügung stellen möchte, auf frische, neue Weise abzubilden. Wir sprechen von einer langen Austragungsphase und der nahenden Geburt. Wie mühsam und anspruchsvoll so ein Prozess ist, kann nur die ermessen, die ihn ebenfalls erfahren hat und auch nicht gerade finanziell wohlhabend ist. Das kommt ja noch dazu. Ich möchte unbedingt nicht nur fair, sondern gut bezahlen, und sehe gleichzeitig meine Grenzen. Mit meinen sozialen und Dharma-Projekten verdiene ich gar nichts und habe auch kein Interesse daran. Wer sich wohl fühlt und etwas für sich findet, was nützlich ist, mag gern etwas spenden.

Wozu ist nun eine Website gut? Wir Anbieter_innen wollen gefunden werden! Und nicht nur gefunden, sondern vielleicht auch besucht. „Was hast Du für mich im September?“ fragt sich vielleicht einer. Und eine andere wartet schon darauf, wieder ins Waldhaus zu fahren oder die neuen Termine für die Fortbildung als Poesiepädagogin zu sehen. Und nicht einfach nur zu sehen, sondern auch: Möglichst auf einen Blick und dann auch noch so, dass man oder frau versteht, was einen erwartet. Und wo und wann man anrufen kann, um zu klären, was unklar ist. 

Und so gab und gibt es keinen Weg daran vorbei: Mich noch einmal und ein letztes Mal auf den Weg zu machen und alles, aber auch alles einer kritischen Prüfung zu unterziehen und mich selber dabei auch. Der emotionale Teil dieser Reise ist nicht zu unterschätzen in seinem berechtigten Anspruch.

Wir sind noch nicht fertig, haben noch Wünsche, Ideen und sogar einige dringliche Anliegen an die neue Homepage, die erst einmal unter den beiden bekannten Namen erscheinen wird. Dennoch wagen wir es morgen, bevor jedeR von uns ein paar Tage wegfährt. Bis Ende des Jahres wird es bestimmt dauern, bis ich die Texte geschrieben, die Fotos hochgeladen habe, die ich gerne teilen möchte.

Morgen gegen Mittag also. Was für ein Unterfangen! Viel Spaß beim Stöbern!

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