Dieses absolute Im-Takt-Sein
verleiht einem schönen Tanz etwas
Schwereloses, Zeitloses und Ewiges.

aus: “Muscheln in meiner Hand”,
Anne Morrow Lindbergh, S. 100

 

 

 

 

Neuigkeiten zum Schreiben

“Worte sind Atemschiffchen, die sich ins Offene aussetzen” 

Die alte Startseite wird ab jetzt durch eine spontane Reflektion und den jeweils aktuellen Newsletter ersetzt. Ich verspreche mir davon eine Belebung der Seite sowie ein schnelleres Auffinden der Schreibangebote und der Angebote des Kleinen Tempels.

Fordern Sie den monatlichen ausführlichen Newsletter und/oder den wöchentlichen kleinen Newsletter an: (m.winkelmann-schreiben@web.de).

Januar 2023

 

Liebe Freundinnen und Freunde!

Drei Motti mögen uns durch das Jahr 2023 tragen:
“Schreiben als Medizin und Weg”
“The World Could Be Otherwise” (Buch von Norman Fischer)
“Die Weisheit von Jizo Bodhisattva” (Buch von Jan Bays)

AKTUELLES IN KURZFORM:

Wir bitten um rasche Anmeldung für:

ÖKODHARMA-LESE-GRUPPE (Buch “ÖkoDharma” von David. R. Loy) im Akazienzendo Berlin und Kleinen Tempel Bonn (Kooperation) ONLINE: Beginn: So 15.1. 17:00-19:30 (1x monatlich) ONLINE – kostenfrei, Spendenbasis (Info & Anmeldung)

***

IDEEN FÜR WEITERE KOLLABORATIONEN AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT!
Alle jeweiligen Folgetermine und Detailinformationen zu Inhalt und Kosten werden bis Ende kommender Woche (15.1.) auf meiner Website zu finden sein.Wenn Euch das wegen Eurer eigenen Planung zu spät ist schreibt mir bitte, bei mir liegen alle Termine (nur manchmal die Orte noch nicht) fest.
Ihr könnt euch frühzeitig anmelden/vormerken lassen, das erleichtert auch mir die Vorausschau und gute Planung. Danke schön.

ZEN-Tage sonntags, mit drei Einstiegsmöglichkeiten (um 9, um 12, um 14:40): 9-16 Uhr,  Termine: 29.1., 12.2., 12. 3., 23.4., 21.5., 4.6.2023 (29.1.und 23.4. mit Frühstück.), Spenden-Empfehlung: ganzer Zen-Tag 32 €, Anmeldung per Email m.winkelmann-schreiben@web.de, bitte mit Telefon, Adresse.,  – HYBRID (Info & Anmeldung) 

Kunst- bzw. schreibtherapeutisches Projekt: Der Sprung in den Brunnen! – Deine Kraftquelle kennenlernen und auffüllen, Freitags, 3 Termine:
10.2.: 17:30-21:30,
24.2.: 17-19:30,
10.3.: 17-19:30
– In PERSON – (Info & Anmeldung)

“KRIEGSENKEL*URENKEL-SCHREIBWORKSHOP: Schwere Lasten ablegen”: 18.2.23, 10-18 Uhr – HYBRID (Info & Anmeldung)

“ZEN-INSPIRIERTES SCHREIB-RETREAT: DEINEN PLATZ EINNEHMEN*) – AN KRISEN REIFEN“, (*) Nach dem gleichnamigen Buch von Norman Fischer), Waldhaus am Laacher See, 2.-5.3.2023 (Do-So) – IN PERSON (Info & Anmeldung)

“DIE MITTWOCH-LESUNG MIT ESPRIT: Kurze Rede – langer Sinn“ – Monika Winkelmann und jeweils mindestens eine Überraschungskünstlerin lesen aus ihren Texten. Beginn: 1.2., 18:30 – Zoom oder Hybrid oder “in person” – (wird bald bekannt gegeben) (Info & Anmeldung)

“SCHREIBSPAZIERGANG: Mit Blöckchen und Stift an Heiligen Orten”: Beginn: 4.2., 11.30-13:30 (1x monatlich), Treffpunkt Alter Friedhof Stadthaus bei trockenem Wetter. Weiter schreiben und Lesen in der jeweils nächsten Kapelle bzw. Kirche (dafür sorge ich) (Info & Anmeldung), weitere Termine: So, 19.2., Sa, 11.3., Sa, 22.4.

SCHREIBKLAUSUR “ÄRMEL HOCH FÜR DEIN PROJEKT: Retreat mit Schweigezeiten, Intensiv-Gruppen- und Einzel-Coaching” (früher “Halb & Halb): …  8.-11.6.2023, Beginn: informell ab 15/16 Uhr mit Kaffee/Kuchen, Freizeit, Seminarplan nach Gegebenheiten, Abschlusstag bis 15/16 Uhr. Haus Venusberg, Bonn. (Info & Anmeldung)

Kurs: “FRAUENSCHREIBSCHULE KALLIOPE” kompakt”– alle Module in Kurzform:
Modul I “Wunden in Worte verwandeln – (Selbst)-therapeutisches Schreiben”, Beginn: Fr 3.2., 9-11:15 (3x plus halber Tag). (Info & Anmeldung)
Modul II “Das Buch meines Lebens – Autobiographisches Schreiben”, Beginn: 21.4. (3x plus 1/2 Tag) (Info & Anmeldung)
Die Module III (Der Sprung in den Brunnen – Kontemplatives Schreiben),  IV (Schreiben lernt frau durch Schreiben – Mein Projekt) und V (Mein Coming out und öffentliche Lesung) plane ich jeweils für Sommer, Spätsommer und Herbst. Auch diese Termine (Module III und IV) können einzeln gebucht werden. Auf Wunsch Zertifikat, wenn frau alles bucht.

SCHREIBEN HEISST, MIR NAH ZU SEIN – Kreative Schreibwerkstatt: Termine: 20.4., 27.4., 4.5., 11.5.2023, Uhrzeit: 10:30-12:30, Veranstaltungsort: Gemeindesaal der Friedenskirche, Franz-Bücheler-Str. 10 (Info & Anmeldung)

RETREAT/SEMINAR MIT ‘EDLEM SCHREIBEN’: “Was Besseres als den Tod findest Du überall – Leben und Sterben lernen”. Mit Textauszügen von Norman Fischer, Stephen Levine, Elisabeth Kübler-Ross, Lisa Freund, Monika Müller und anderen…Langzeit-Kontemplationgruppe. Beginn: 1. Mai Orientierungstreffen, Vortrag, Diskussion der vorgelegten Termine. Entscheidung für einen Veranstaltungsort. – HYBRID – kostenfrei, Spendenbasis (Info & Anmeldung)

FILM-ABENDE lebendig: Kleiner Kreis trifft sich bei Monika, größerer Kreis nach Anfrage (auf jeden Fall Bonn zentral), Beginn: Fr 3.2., 19:00 mit “Das weiße Band” von Michael Haneke. Wer Lust hat, bleibt zur Diskussion. – kostenfrei- Spendenbasis (Info & Anmeldung)

KREIS-TRAINING UND GEMEINSCHAFT FEIERN: Leben bewegt sich in Kreisen – Theorie und Praxis von Kreisarbeit in therapeutischen, säkularen und spirituellen Zusammenhängen. Zenpeacemaker-Circle, Council: Treffen 1x/Monat, alle 3 Monate Englisch/Italienisch/Spanisch/Kurdisch…, Beginn: Freitag, 12.5., 18-21 Uhr – kostenfrei-Spendenbasis (Info & Anmeldung)

HILDEGARD-VON-BINGEN-PILGERFAHRT MIT EDLEM SCHREIBEN NACH RÜDESHEIM: geplant 13.-15.04. (2 Übernachtungen) – kostenfrei/Spendenbasis (Info & Anmeldung)

DACHAU-PILGERFAHRT ZEUGNIS ABLEGEN IN STILLE UND WORT: 13.5. (Anreise, abends Council) -18.5. (Abschluss-Council nach dem Frühstück) (Info & Anmeldung)

“KLEINE FORMEN SPRECHEN LASSEN: Lyrik und Spiritualität”: Vom gemeinen Dreizeiler über Wort-Elfchen zum Haiku und Gatha. Der Tag steht noch nicht fest.

***
Zum Auftakt der Sommerferien:

Deinen ureigensten Brunnen finden – Zen-inspiriertes, kunst-therapeutisches Retreat: 22.-25. Juni 2023 (Info & Anmeldung)

 

Mein Brief an Euch zum Neuen Jahr

Liebe Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler,

ich hoffe, das Neue Jahr liegt verheißungsvoll vor Euch, inspirierend und aufhellend – so wie ein Neuer Morgen nach einer bedrückenden Nacht. Das Interessante ist, Verheißung und Inspiration können wir üben! Gerade die kontemplativen Übungen, die ich schätze, praktiziere und lehre: Der Stille lauschen, lesen, schreiben, gute Gespräche führen bzw. die Bedingungen dafür herstellen, schenkt uns nicht nur neue Augen, sondern ein neues Leben.

Folgerichtig werdet Ihr bei den Zen-inspirierten Angeboten auch das Geschenk von Thich Nhat Hanh oder Sister Chan Khong finden: „Beginning Anew – Neu beginnen“, eine einzigartig berührende Übung, die Samen der Güte der Anderen in Gruppe oder Partnerschaft/Familie zu begießen, zu Beginn jeder Woche. Meine Idee ist folgende: Jeweils am 1. jeden Monats beginne ich abwechselnd mit “Beginning Anew” und im Monat drauf mit “Danken”. Konkret heißt das, dass wir am Montag, 9.1. den gesamten Monat diesen Impuls aufnehmen, üben und vertiefen werden. Ich hoffe, der Überblick oben ist sowohl neugierig machend wie transparent, denn in diesem Brief möchte ich nicht alle Unter-Termine aufführen. Auch zu den Kosten könnt Ihr mir schreiben oder mich anrufen. Überall, wo kostenfrei/Spendenbasis steht gilt für mich die schöne traditionelle Regel: Wir verdienen grundsätzlich kein Geld mit dem Dharma, sondern verbreiten diesen großzügig. Natürlich müssen die Kosten gedeckt sein und Spenden für den Lebensunterhalt sind immer so willkommen, nicht nur bei mir, sondern bei allen in “dieser Branche”!

Anscheinend ist es nicht so einfach, Spendenbuttons zu installieren, deshalb kann ich damit (noch) nicht aufwarten. Aber wer PayPal vertraut – und die Sicherheits-Richtlinien sind immer strenger geworden – kann es sich wirklich einfach machen, mir als Lehrerende bzw. dem Kleinen Zendo Bonn etwas Gutes, Notwendiges zu tun. Ich widme wirklich viel Energie und Zeit dem Zen-Studium, dem Schreiben (wer schreibt, verdient nicht, alte Regel), dem freiwilligen sozialen Engagement, für das ich glücklicherweise oft Unterstützung, auch finanzielle erhalten habe, sonst hätte ich Vieles wirklich nicht geschafft. Ganz, ganz herzlichen Dank noch einmal dafür! Es ist nicht einfach, die buddhistische Spendenpraxis tief zu verstehen, weil sie auch unterschiedlich aufgefasst und gelebt wird. EIN Kennzeichen ist, dass wir niemals jemanden abweisen würden, der oder die einmal oder mehrmals weniger als die vielleicht von uns empfohlene Spende nicht bezahlen kann. Wir hoffen aber, und meistens ist der Fall, wenn man dem Dharma wirklich vertraut, dass es auf der anderen Seite Menschen in unserem Leben gibt, die diesen materiellen Mangel durch größere Gaben ausgleichen und damit die Intention, dass genug für alle da ist, wenn alle großzügig sind, aufrecht erhalten wird. Immer noch ist es jedoch – je nach eigenem Standpunkt – waghalsig, vielleicht sogar selbst-verletzend, in dieser Angelegenheit nicht gut für sich selber zu sorgen. – Diese innere und äußere Debatte wird niemals aufhören, jedenfalls solange nicht, wie es nicht selbstverständlich und eine Ehre ist, dem Buddha (dem Mönch, der Nonne, den Übenden) auf die Weise für deren Hingabe, Gebete, Rituale zu danken, dass man selber Essen und anderes zu deren Grundversorgung beiträgt.

Die Gruppe Studentinnen, deren Kern fast fünf Jahre mit mir saß und übte, bis hin zu Mini-Rohatus, Buch-Studien-Gruppe wöchentlich usw., war fast auf einen Schlag weg, weil eine nach der anderen das erste Staatsexamen in Medizin machte, gefolgt vom klinischen Jahr, der Doktorarbeit, dem zweiten Staatsexamen sowie einschneidenden Lebensverändungen: Ein Baby wurde geboren, das Paar lebte zeitweise in einer Gemeinschaft. Eine andere musste sich entscheiden, ob sie nach dem Examen in Deutschland oder Tanzania das praktische Jahr machen würde (es wird in Afrika sein). Die dritte hat geheiratet, ist erst nach Hamburg, dann nach Lübeck gezogen und erwartet jetzt ein Baby. Die vierte hat in der Schweiz in einer anthroposophischen Klinik ihr fachliches Jahr absolviert oder ist noch dabei.
Mit Joana Salomon versuche ich jetzt, die so lebendigen Texte, die nach den Koans in dem Buch “Das Verlorene Licht” von Florence Caplow und Sue Moon entstanden sind, zu einem Büchlein werden zu lassen, in dem wir auch unsere Herangehensweise beschreiben und das Buch sowie die Weisheitsgeschichten mit weisen Frauen im Mittelpunkt ehren. Dabei besonders auch die Herausgeberinnen des dicken, anspruchsvollen Buches! Was für eine Fleißarbeit!

Mehr als alles Andere vorher, also anders als Covid und direkter und akuter als die Klimakrise, hat mich der Ausbruch des Krieges getroffen. Das geht bis heute. Enttäuschung, Trauer, moralische Bitterkeit oder so, eine seltsame Zuversicht und noch seltsameres Vertrauen, gehen Hand und in Hand. Ein neuer Ton bei den jungen Grünen erschüttert mich. Warum soll Deutschland nicht neutral bleiben können? Ich höre soviel Wut, getarnt durch edle Motive. Ukrainische Flüchtlinge werden herausgeholt aus ihrem Land oder sie kommen: Nach Polen, nach Deutschland. Ihnen wird anders und unbürokratischer geholfen als den anderen Flüchtlingen, um die wir uns sorgen. Es ist verständlich, aber nicht alles, was verständlich ist, ist deshalb gut. Schon wieder werden soldatische Heldinnen und Helden gefeiert, aber nur die auf der richtigen Seite. Was läuft hier schief? Ich denke an die vielen Gruppenteilnehmer*innen, nicht nur im Kriegskinder- und -enkel-Schreibseminar, die ganz ehrlich und tief Zeugnis abgelegt haben, wie sie noch immer leiden oder litten, auch 65-70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Und wie sich die Leiden weitervererben. Und hier werden Helden gefeiert. Trauern müsste man. De-eskalieren statt anheizen. Ohne Buddhas Lehren – undenkbar, dass ich so unbeschadet aus diesem Jahr, in dem meine Mutter starb, herausgekommen wäre. Aus einem Jahr, wo die Rechnungen vom Finanzamt, Webmaster, Steuerberater einen mahnenden Stapel bildeten, der nicht kleiner werden wollte durch die Voraussagen der Folgen der Inflation, der dramatisch steigenden Energiekosten, der verarmenden Bevölkerung, der Zunahme psychisch auffälliger Kinder und Häufung geschlossener Läden.

Was mich in diesem Jahr sehr glücklich gemacht hat, ist die Nähe zur everyday-Sangha unter der Leitung von dem Dichter, Buchautoren, Zen-Priester und Gründer der everydayzen foundation, Norman Fischer. Ich hatte mit der Teilnahme an einer Praxisperiode (Ango) begonnen (im Herbst 2019), und diese drei-monatige Zeit ging praktisch über in die Lockdowns von Corona. In dieser für alle erschütternden Zeit wurde die Idee dort geboren, das wöchentliche Sitzen morgens am Bildschirm (für uns in Deutschland das nachmittägliche Sitzen) durchlaufen zu lassen, und es hat KEINEN EINZIGEN TAG aufgehört! Ich bewundere diese fraglose Stabilität und Stetigkeit, die mir wie die Essenz von Zen erscheinen. Eine wunderbare Gruppe hielt mich, und wir halten uns gegenseitig. Ferner versuchte ich, Mittwoch nachts für das Dharma-Seminar desselben Lehrers auf der Matte zu sitzen. Ohne es wahrhaben zu wollen, war das mein Koan, bis ich es gelöst hatte. Ich musste frei werden von der Beliebigkeit: Hatte ich ein gutes Verhältnis zu mir, zum Lehrer, zur Sangha und fühlte mich überwiegend gut ausgeruht, dann klappte es. War ich ärgerlich, verletzt, verzweifelt, einsam, konnte es sein, dass mich Angst vor dem kommenden Tag, Widerstand, Trauer hinderten, den Wecker zu hören oder ihm Folge zu leisten. Dieser Termin, der insofern noch herausfordernder wurde, als die beiden Stunden nicht mehr von 4-6 morgens (da kann man sich noch trösten und sagen “Okay, das ist wie in einem strengen Kloster”), wurde er zu Gunsten derer von der Ostküste auf 2-4 mitten in der Nacht gelegt, was nun die allerungünstigste aller Möglichkeiten ist. (Manchmal blieb ich bis 1:30 morgens wach, hätte auch noch bis 2:00 wach bleiben können, aber nicht mehr bis 4:00). Ich war verbittert (Ostküste gegen Germany) und habe einen Monat lang bewusst durchgeschlafen. Das war auch eine gute Zeit, eine gute Erfahrung. Nach dem Motto: Wer will mich hindern, gut für mich zu sorgen…Doch gelöst hatte sich das Koan immer noch nicht. Dieser Preis fühlte sich zu hoch an. Das Format “Dharma-Seminar” ist einfach sehr gut. Wer nicht persönlich dabei ist, bekommt viele Interna nicht mit und auch nicht das Treffen in den Kleingruppen. Warum das nicht mehr Zoomer anbieten, ist mir ein Rätsel. – Ich hatte das Koan erst dann gelöst, als ich mich ganz überwiegend ENTSCHEIDEN konnte und entschieden hatte, mein Leben so einzurichten, dass ich teilnehmen konnte. Als ich DAS klar hatte, ebenso wie die Priorität zu setzen, am Frühlings-Sesshin in Santa Sabina teilzunehmen, lief mein Leben, in gewisser Weise, rund. Selbst so anstrengende Fahrten wie nach Berlin, um David Loy zu erleben, in einem Workshop, hatten Sinn. Erst war ich so verwirrt, als ich hörte, wie oft David schon in Bonn gewesen war, ohne dass ich davon wusste. Und auch in Paris, wo ich mich immerhin auch noch zur Sangha zählte. Aber nein, niemand hatte nachgefragt, ob ich denn käme, Kathleen nicht, Michel Genko nicht.

Jedoch, wie ich gerade wieder erkenne, man fließt mit, mit den Umständen, ich hätte diese lebendige internationale Sangha überhaupt nicht kennen gelernt, jedenfalls nicht persönlich, wenn ich nicht hingefahren wäre! Eine Sangha, die mit dem geliebten griechischen Zendo kooperiert, wo Shunryu Suzuki auf dem Altar steht und wo nicht nur der leitende Mönch und Zen-Priester Bernd Bender in San Francisco und Green Gulch waren, und zwar Jahre lang. Wo man auch Norman’s Vorträge hört und ich mich nicht total alleine fühle – zumindest, was nordamerikanisches Zen und diese Linie und die Praxis in dieser Linie angeht. Inzwischen haben Anne Albrecht, meine Kollaborationspartnerin und ich die monatlichen Termine Sonntags nachmittags für die Ökosattva-Lesegruppe festgelegt, zusammen mit Bernd, und Ihr könnt auf beiden Webseiten, der des Akazienzendo und meiner, das Programm lesen. Wir hoffen, dass Ihr es so schön und lebendig findet wie wir und Euch anmeldet und/oder es weiter erzählt.
Eine Woche vor Thich Nhat Hanh’s Hinübergehen – und wie intensiv haben wir es miterleben können und dürfen, von Vietnam aus, Plum Village aus, den Vereinigten Staaten und vom eiab bei uns in der Nähe, wollen wir mit dem Buch beginnen, das natürlich auch von Thays Leben und Lehre geprägt wurde. Der Professor für buddhistische und vergleichende Philosophie David Loy hat, wie wir auch, Vieles vom Verehrten Thay gelernt und ebenso von der sehr geschätzten Joanna Macy, die so oft in Deutschland gewesen ist. Nun ist es David, der uns lehrt und leitet, wie wir schauen, verstehen und agieren können, in dieser eigentlich “spirituellen Krise”, wie er sie nennt. Eine Krise, die uns zum Handeln auffordert. David sagte mir in einem privaten Gespräch, das ich mir gewünscht hatte, dass er am Ende unserer Lesegruppe sehr gerne für uns zur Verfügung stünde. Das veranschlagte Datum dafür teilen wir Euch so früh wie möglich mit.

Ausgesprochen wohltuend war für mich die Feier des 70sten Geburtstages in Palermo, der Hauptstadt von Sizilien, die sogar selber am Meer liegt, aber wie die meisten Großstädte, einiges an Bausünden, Zäunen und Zweckgebäuden aufweist, die es dem Besucher schwer machen, idyllische Fleckchen am Wasser zu finden. Wir beide feierten zudem – und stand es nicht erster Stelle? – dass Sabine rechtzeitig den gerade “entdeckten” Brustkrebs operieren und das Gewebe bestrahlen ließ. Wir feierten das Leben selber: Ihres und meins. Am 14. April fuhren wir nach Mondello, dem “Hausstrand” von Palermo, und aßen köstlich, mit Blick über das Meer, die Bucht. Strandidylle würden wir auch finden, ein paar Tage später, in den unfassbar anziehenden Orten entlang der Nordküste, an der wir bis Cefalu kamen und uns dem kurzen Glück zweier Strandurlauberinnen hingaben.
In Palermo jedoch: Märkte ohne Ende mit Waren und Essen, das wir noch nie gesehen und geschmeckt hatten. Granatapfelkernsaft frisch ausgepresst und eine Architektur, ein Himmel, Straßennamen in Hebräisch und Arabisch und Italienisch…mein Herz schlug hoch, und ich überlegte auszuwandern. In dieses arme Land, von Mafia und Flüchtlingskatastrophe und auch: Klimakatastrophe gebeutelte Land, aber so reich an Charakter, Würde und menschlicher, künstlerischer, naturgegebener Schönheit. Oh, betete ich, möge hier die Nato bitte nicht eingreifen und alles platt machen, um dann, á la Katar – sorry! – Kunststädte zu errichten. Entschuldigung, dass ich so denke, böse. NOCH ist Sizilien, so abgeschnitten wie früher auch, arm, kreativ, stolz und wunderschön. Das Museum am Meer: Mare Vivo – wir verbrachten Stunden dort und hätten Antworten auf all meine in Jahren gewachsenen Fragen über Migration und Flucht beantwortet bekommen, hätten wir nur mehr Zeit gehabt. Ich sah erfreut, dass Schulklassen kamen, interaktiv gearbeitet wurde und man dem Islam, der ja einmal selbstverständlich präsent gewesen war, wie dem Judentum freundlich und aufgeschlossen begegnete. Die Hässlichkeiten der Inquisition auf Sizilien musste noch unter dem Deckel bleiben, es wird noch eine Weile dauern, bis der 500 Jahre währende Antisemitismus auf Sizilien und in Süd-Italien eine Sprache finden darf. Doch Judaistik studieren kann man inzwischen wieder, und die Synagoge von Palermo soll wieder erbaut werden. Ich habe Gemälde gesehen: Sie muss zu den schönsten in Europa gehört haben. – Manchmal sind wir eine Weile schweigsam und traurig durch die lebendigen Gassen und Strassen gegangen – wieviel Leid haben die alten Steine, die man hier noch so gut sehen kann, bezeugt? – Solche Spurensuche mit meinem Geburtstag zu verbinden – das konnte ich mir nur mit meiner Schwester vorstellen, und es hat, wie sie jedenfalls sagte, gut geklappt. Das Benzin war schon teuer geworden, das Essen begann gerade, die Nerven der in der Gastronomie Beschäftigten zu strapazieren, wir mussten manchmal ein Taxi nehmen, weil es auf bestimmten Strecken einfach keine Busse gibt, obwohl Haltestellen und Schilder mit Abfahrtszeiten deutlich zu sehen waren. Niemand versteht, wieso. – Zu dieser Reise habe ich Material gesammelt und warte immer darauf, darüber schreiben zu können, wahrscheinlich mangelt es mir an Disziplin. Jedenfalls begannen bei meiner Rückkehr vier Themen oder fünf, großen Raum einzunehmen:
1. Der größte Raum wurde von meiner Mutter eingenommen: Ihr ging es immer schlechter, sie wollte aber nicht, dass ich käme: Was war los?
2. Meine OP an der Schilddrüse musste von Anfang Juni drei Wochen verschoben werden, weil ich Covid bekam, zum Glück eine milde Form. Ich erinnere mich, wie wir mit Hochsommerkleidern herumliefen, und ich im Schatten mehrmals zum Freitesten ging. Ich wurde operiert, alles verlief gut, und natürlich dreht sich eine Zeitlang jede Woche um die Vor- und Nachsorge-Termine, während ich über meine Reise nach Bad Nenndorf, zur Mutter, nachdachte. Und auf einmal ging es Schlag auf Schlag, Mutter sprach mit dünner Stimme etwas Unfassbares aus, an einem Sonntag, an dem meine jüngste Schwester Ulrike, die sonst die erste Ansprechpartnerin gewesen wäre, auf einem Musikfestival war. Mutti sagte deutlich hörbar: Ich brauche einen Arzt, ich kann nicht mehr.
Jedenfalls würde ich dreimal in kaum noch aushaltbarer Sommerhitze und mit einem Zug-Chaos, das seinesgleichen suchte, gen Norden reisen, jedesmal für ein par Tage: Nach Bückeburg in die Nähe der Klinik, wo Mutter drei Stents bekam. Zu einem Ort direkt am Fluss, von ich ihr neues Heim in Hessisch-Oldenburg gut erreichen konnte. Nach Hannover zur Aufbahrung, nach dem 26. August, ihrem Todestag – zwei Tage, nachdem ich sie zum letzten Mal umarmt hatte.
3. Der Tod von Christiane Weissmann und alles, was danach folgte, von Telefonaten über Absprachen mit anderen drei Geschwistern und Betreuern, Ärzten, Pflegekräften usw. hier und da, Kisten, die ankamen und noch nicht ausgepackt wurden, zwei Trauerfeiern privat hier in Bonn und
4. Der erbärmliche Schwund von Kollaborationspartnern in Institutionen, von Gruppenteilnehmern, von relativ sicherem Einkommen, all das nahm mich natürlich auch mit, auch wenn ich mich reich beschenkt fühlte.

Ich schrieb mehr denn je. Alles Regelmäßige tat mir gut. Das morgendliche Sitzen fast täglich im Kleinen Tempel, meist alleine, Sonntags oft mit Kleingruppe.
Ich hatte in den letzten Jahren und bis Sommer auch oft mit Joan Halifax roshi gesessen, Dharma-Talks angehört, von Lehrern und Priestern von Upaya und everydayzen, inzwischen auch mal alte aus dem SFZC (San Francisco Zen Center) oder Green Gulch. Hörte Richard Baker roshi über das Buch “Zen Mind-Beginners’ Mind” sprechen – sehr interessant! – und praktizierte auf Kleinstflamme im November-Retreat mit Nicole Tetsudo Baden. Ich genoss ein Dokusan mit ihr. Hörte endlich mal Zen in meiner Linie auf Deutsch, und es ist natürlich ganz anders, es gibt Wörter, die ich sehr lange nicht gehört hatte oder nicht in diesem Kontext. Mein deutscher Wortschatz erweiterte sich, ich fühlte, wie ich flexibler wurde, offener.

Das Autobiographische Jahresprojekt macht ganz große Freude. Wir haben uns kennen gelernt in mehr als einem Jahr und inzwischen fünf Modulen à drei ganzen Tagen und erfahren, dass jede ein völlig anderes Tempo hat, eine gänzlich andere Vision ihrer Autobiographie und eine höchste eigene Stimme. Alle drei sagen jetzt von sich, dass sie wissen, sie können und müssen und wollen schreiben, und zwar so, wie es ihnen eingegeben ist. – Ich bin sicherer denn je über meine Methode. Es ist ein Schreiben aus dem ganzen Körper, fast völlig ohne Anspruch, was genau der Anspruch in sich ist. Das heißt, Zazen, kontemplative Künste, nähren die Schreibkunst und umgekehrt. Ich habe viel getrauert um meine Gruppenprojekte, die bis vor Covid-Ausbruch einfach liefen. – Jetzt bin ich ins Reine gekommen mit Allem.

Seit meine Mutter mit einem Teil ihrer Asche auf dem Friedhof am Hang, 10 Minuten von mir, VIRTUELL begraben ist, geht es mir gut, geht es bergauf. (Das bedeutet, dass wir so getan habe, als würde die in Bonn begraben, was seltsamerweise funktioniert hat). Als wenn eingefaltete, verklebte Flügel sich in mühsamer Kleinarbeit wieder entlüften, durchlüften und bald wieder erheben können. Ein bisschen können sie es schon.
Die Flügel eines Flugzeugs werden mich am 17. März unterstützen und mich nach San Francisco bringen. Das Sesshin startet aber erst am 27.3. Nun weiß ich nicht, ob ich nicht noch umbuchen soll und später fliegen, weil ich noch keine Unterkunft, die ja auch irgendwo sinnvoll sein muss, gefunden habe. Sinnvoll wäre für mich, entweder die Green Gulch Farm oder das Stadt-Zentrum in San Francisco nah zu haben und an den täglichen Zazen-Angeboten teilzunehmen.

Inzwischen habe ich mich in meiner Nachbarschaftskirche, der Friedenskirchengemeinde vorgestellt und war schon zweimal bei Besuchskreistreffen dabei und habe drei alte Damen besucht. Für die Kirchenzeitung habe ich geschrieben, und wenn ich aus den USA zurück bin, beginnt ein Schreibkurs in der Gemeinde. So etwas würde ich sehr gerne noch öfter machen, auch Vorträge halten und Lesungen machen. Die Menschen sehnen sich nach Nähe und Sinn, Zugehörigkeit und Ideen, wie sie helfen können.

Bitte schau’ selbst, wen Du noch unterstützen könntest. Wenn Du dann noch ein bisschen übrig hast, freue ich mich, freut sich der im Winter eiskalte Zendo über Spritzen für den Heizkörper, für Bücher und Sesshins, ja, auch für meine Studienreise in die USA, die ich vielleicht noch verkürze.
Ab nächster Woche werde ich übrigens öfter virtuell in der Schweiz sitzen, im Haus Felsentor und im ZendoamFluss, in Luzern. Ich bin da einem Zenlehrer auf den Fersen, vielleicht kennst Du ihn? Er heißt Vanja Palmers, und ist ein Freund von Norman.

Schaut doch mal nach. Auch Puregg in Österreich ist hoch interessant, das ist ein Haus der Stille, wo man nur mit dem Rucksack hinkommt, gegründet von Vanja roshi und Bruder Steindl-Rast. Passt irgendwie zu meiner Ersten Großen Disziplin, dem “DANKEN”. Wobei, wenn ich beim Danken und beim Interreligiösen angelangt bin, dann möchte ich auch der Bonner Via Integralis Gemeinschaft danken, unter Leitung von Winfried Semmler-Koddenbrock. Herrlich, Montag abends dorthin zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren oder wenige Stationen gemütlich mit der Straßenbahn zu fahren, um dann in einer geräumigen Halle die Matten und Kissen auszulegen, den Altar mit dem bekannten Bild von Hildegard von Bingen, der Kerze und der Orchidee zu platzieren, und nach dem Impuls, noch zur Mitte blickend, und dann umzudrehen, zur Wand zu schauen, die Hände in Gassho zu nehmen: “Du, mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir…”, diesmal mit Angelus Silesius.
Immer noch gehen mir die höchst intensiven, lyrischen Texte und Sätze des Genjokoans (“Realizing Genjokoan” von Shohaku Okomura), des Buches “Cultivating the Empty Field” von Taigen Dan Leighton nach, beides mit Norman und Dharma-Freundinnen und -Freunden und anderen Priester-Freunden gelesen, gehört, inhaliert, nachgelesen, schwingen lassen, und ich wünsche mir mehr Zeit und Raum dafür. Wunderbare Texte, auch einige Verse von Silesius schrieben sich mir ein. Irgendeine Tür hat sich mir im vergangenen Jahr aufgetan, und speziell durch die eigene Operation und das Begleiten meiner Mutter in den Tod wie auch eine bestimmte Situation meiner Tochter hat sie, die offene Tür, einen Weg frei gegeben, den ich nun, meist froh, gehe. Ich denke gerade, wenn nicht der Krieg in seiner erschütternden, Ohnmacht auslösenden Wirkung auch seinen Teil zu meiner Veränderung, die andere vielleicht eher noch als ich bemerken, beigetragen hat. Vielleicht verstehe ich “home-leaving” jetzt tiefer, als ein Gehenlassen wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.

Falls sich jemand gefragt hat, was eigentlich “Gathas” sind, gebe ich gleich ein Beispiel.
Denn nicht nur ist in diesem Jahr Thich Nhat Hanh gestorben, dieser Dichter tiefster Zärtlichkeit und Flexibilität (was sein außerordentliches Verständnis für den westlichen “mind” angeht), sondern auch: Michail Gorbatschow, der auch in Bonn gewesen ist, wie Thich Nhat Hanh, eine Friedensbringer und Hoffnungsträger und Kathy Genko Blackman. Genko roshi ist nicht in Bonn gewesen, sie war auch nicht meine Lehrerin, aber ich erinnere Handlungen von ihr, die mir unendlich viel bedeutet haben, als ich mich sehr einsam – in unguter Weise – gefühlt hatte. Am Tag meiner zweiten Jukai-Zeremonie in Choboji, Seattle – ich hatte niemanden bei mir, keinen Partner, keine Freundin, keine Verwandten wie die anderen, die gefeiert wurden. Da kam Genko auf mich zu, umarmte mich und machte mir ein Geschenk: Das Buch “The Dragon Who Never Sleeps.” Verses for Zen Buddhas Practice. Von Robert Aitken. Foreword by Thich Nhat Hanh.

Sie legte eine Karte bei, im Juni 2014. auf Englisch. Ihre Worte berühren mich heute mehr als damals.

Ein Beispiel aus dem Buch von Aitken roshi:

When I bow to my sisters and brothers
I vow with all beings
to freshen our intimate kinship
and enliven the practice we share.

Das ist mein aufrichtiger Wunsch für mich, Euch und uns, liebe Schwestern und Brüder.

Lasst uns einander unterstützen und allen Wesen dienen, hier, dort und überall.

Von Herzen,

Eure

Monika

Kreatives und therapeutisches Schreiben lernen

Willkommen bei “Schreibfluss”, liebe schreibende Freundin, lieber schreibender Freund!

Schreibende benötigen einen geschützten, in achtsamer Weise definierten Raum, um sich frei ausdrücken zu können. Ebenso braucht der schreibende Mensch, der vielleicht noch gar nicht weiss, wie sehr sie zu dieser Zunft gehört, Weggefährten_innen und geschulte Anleitung wie ‘Heilsame Resonanz’ ©. Hier kannst Du tiefes Zuhören üben und erfahren.

Du kommst – wieder – in Fluss und entfaltest Deine ‘Wahre Stimme’, die nicht selten zu einer Berufung führt.

Meditation, interreligiös und interkulturell

Namaste! Willkommen im ‘Kleinen Tempel’ und überall, wo wir einander begegnen!

Du möchtest mit mir üben, im Sitzen, beim Gehen, Arbeiten, Essen und in der Kommunikation zu meditieren? Frieden zu schliessen mit Dir selber, unseren Mitwesen, Deinem und unseren Leben? Du möchtest friedenstiftend wirken auch an ‘unterversorgten Orten’? 

Suchst Du Gleichgesinnte, die eine authentische Meditationspraxis aufbauen und sich darüber austauschen möchten? Daran mitwirken, dass wir eine liebevolle Gemeinschaft werden, ohne Dogmatismus, mit klaren (Selbst-)verpflichtungen, die von allen entwickelt und getragen werden?

Impressum

Datenschutz

Kontakt