Blog
Intim sein mit der Realität

Hier stellt sich für uns vor allem die Frage, was ist Realität? Ist sie das, was wir mit unseren Sinnen, ausschnittweise je nach unserer Verfassung wahrnehmen, oder worum geht es eigentlich? Intim sein mit der Realität.
In diesen Tagen und Wochen, in denen ich öfter krank war und mich immer noch nicht ganz gesund, körperlich, fühle, schien es mir so, als ginge es vor allem um die oben aufgeworfene Frage. Verenge ich mein Bewusstsein derartig, dass sich nur noch mit Unwohlsein, Angst und dem Fliehen-Wollen, es anders haben wollen, beschäftigt bin? Wenn ja, bin ich fähig, es so anzunehmen? Kann ich Frieden finden in dieser Lage und dann wieder über meine eingeschränkte Lage hinausgehen? Kann ich innerhalb dieser Grenzen Freiheit, ja, vielleicht sogar Schönheit finden? Die Schönheit zu erfahren, dass ich lebe, noch leben darf. Die Schlucke frischen, kühlen Wassers. Freude an denen, die für mich sorgen, die sich um mich und andere sorgen. Tiefe Dankbarkeit für die Erfahrung, noch lesen und schreiben, noch laufen und schmecken zu können. Für die Zimmergenossin im Krankenhaus, die ich so tapfer und weise finde. Man wird so erstaunlich schnell zu einer Schicksalsgemeinschaft, im Krankenzimmer, auf Station. Für die Besucher, die Freunde, die mit Kind und Kegel kommen und einfach Freude, Wärme, Herz zeigen und schenken. Natürlich denkst Du auch an den Tod. Soll das jetzt so weitergehen mit Dir, dass Du von einem zum anderen rennst und Deine tägliche Pillenration inzwischen um eine weitere Tablette angereichert wurde, „für den Magen“. Musst Du Dein Leben ändern, Deine Konzepte, sollst Du jetzt sofort bestimmte Projekte fallen lassen? Ja, vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es ist schon gut und segensreich, Verpflichtungen zu haben, gerne zu arbeiten, wie ich. Doch könnte ich vielleicht alles lockerer halten, lockerer nehmen. Es kann Dir ja alles, wie eine Feder, ganz plötzlich aus der Hand gepustet werden.
Wenn Deine Hand offen ist.
Mehr Artikel
Buddhismus: Schmerz, Leiden, Elend
Ich schreibe heute nicht über dieses Thema, weil ich etwas Substanzielles zu sagen hätte, sondern umgekehrt, weil es mir nach so vielen Jahren immer noch Rätsel aufgibt, vielleicht mehr denn je. Zustände erlebe ich, mit dem nicht endenden Krieg „um die Ecke“, den...
Die sieben Disziplinen, Teil 1: Danken
Sollte ich nicht lieber „Danken und Bitten“ sagen? Es sprach soviel dafür. Es ist eine Tugend, „Danke“ sagen zu können, vielleicht sogar zu einem ungeliebten Mitmenschen oder für eine Gabe, die wir uns so nicht vorgestellt hatten. Aber es ist auch eine Tugend, um...
Raum geben
Eigentlich bestehen Heilung, Verständigung, Befreiung von Sucht und in die Irre führendem Denken immer aus derselben Maßnahme: dem oder der anderen, der Beziehung zu etwas – zum Job, zum Partner, zur Religion – Raum zu geben.Raum geben im Atmen, im...
Impressum
Datenschutz
Kontakt
0 Kommentare