Blog
Alles fliesst (Heraklit)

Alles fliesst (Heraklit) – Die Erkenntnis des griechischen Philosophen ist doch eigentlich erstaunlich: War Heraklit Buddhist? Oder ist es uns in seiner tiefen Bedeutung gar nicht aufgegangen, was der Grieche damals für eine bahnbrechende Einsicht hatte?
Ich erinnere mich daran, dass ich bewegt war, sogar erschüttert, als uns Schülern dargelegt wurde, dass man niemals zweimal in denselben Fluss steigen kann.
Die Sache mit dem Fluss und später: Mit dem Meer und der Welle und den Wassertropfen, die das ganze Universum sind, leuchtete mir nach und nach ein. Der Fluss mag für unser menschliches Leben stehen, und wir können die Verschränktheit der relativen mit der absoluten Ebene anhand des Bildes der Welle und des Meeres, beides gleichzeitig vorhanden und nicht voneinander trennbar – es sei denn auf der Erscheinungsebene – meist recht gut nachvollziehen.
Doch Heraklit sagt: ALLES fliesst, nicht nur der Fluss. Auch Buddha sagt das, wenn auch anders. Das finde ich nun wieder ergreifend. Beunruhigend. Verstörend. Belebend. Ja, wir selber fliessen, bleiben nicht, wie wir es kennen oder gern hätten; und versuchten wir es, da wären dann Stillstand und Tod die Folge. Was da eigentlich fliesst, sich stets wandelt, das mag jede und jeder für sich ergründen.
Beziehungen ändern sich, fliessen. Dann könnten sie doch spannend bleiben, für uns Menschen, gerade die Liebesbeziehungen, wenn wir nur nicht solche festgelegten Ideen von uns selber, dem/der anderen, von der Beziehung hätten. Wenn Veränderungen nicht oft so beängstigend für uns wären.
Wir begrüssen das Vertraute, das Sichere. Doch inwieweit gibt es das überhaupt? Worauf können wir bauen, wem ist zu trauen, was trägt letztendlich?
Kann uns das Wissen um das Fliessende leichter werden lassen?
Die Offenheit und Neugier des kleinen Kindes: Können wir diese wachhalten und geniessen? Wo sie doch mit solcher Frische der Erfahrung belohnt wird!
Überhaupt: Vielleicht verlieren wir auf der einen Seite lieb gewordene Illusionen, gewinnen aber einen Zuwachs an Leichtigkeit und Freude am niemals vorher so da gewesenen Fluss.
Während wir selber und unser Leben, hin und wieder nehmen wir es wahr, zu Wassertropfen werden, welche das gesamte Universum in sich spiegeln.
Mehr Artikel
Was uns beschäftigt – tief innen
Was uns beschäftigt – tief innen Ich nehme an, dass es den Meisten so geht wie mir, falls sie den Virus nicht haben oder glauben, ihn nicht zu haben: Sie erleben Stunden und Minuten, vielleicht sogar Tage, an denen vieles fast normal scheint. Normal oder sogar...
Es muss sich authentisch anfühlen
Heute las ich bei einem Freund auf Facebook eine Kontroverse über Gebete. Klassisches Zen und Gebete, das geht sicherlich nicht zusammen. Eine andere Stimme war zu hören: Zen sei eigentlich ein einziges, langes Gebet. Ich erinnere mich an meine Zeiten in tibetisch-...
It is about Life and Death – A Reflection on Three Levels
This headline was literally in several newspapers in the past few days. I read and understand these words on three levels: firstly, in the way our politicians Laschet, Merkel, Spahn certainly mean them: "Dear compatriots, please take the crisis seriously, please....
Impressum
Datenschutz
Kontakt
0 Kommentare