Blog

Alles fliesst (Heraklit)

von | 05. Feb 2019 | 0 Kommentare

Alles fliesst (Heraklit) – Die Erkenntnis des griechischen Philosophen ist doch eigentlich erstaunlich: War Heraklit Buddhist? Oder ist es uns in seiner tiefen Bedeutung gar nicht aufgegangen, was der Grieche damals für eine bahnbrechende Einsicht hatte?

Ich erinnere mich daran, dass ich bewegt war, sogar erschüttert, als uns Schülern dargelegt wurde, dass man niemals zweimal in denselben Fluss steigen kann.

Die Sache mit dem Fluss und später: Mit dem Meer und der Welle und den Wassertropfen, die das ganze Universum sind, leuchtete mir nach und nach ein. Der Fluss mag für unser menschliches Leben stehen, und wir können die Verschränktheit der relativen mit der absoluten Ebene anhand des Bildes der Welle und des Meeres, beides gleichzeitig vorhanden und nicht voneinander trennbar – es sei denn auf der Erscheinungsebene – meist recht gut nachvollziehen.

Doch Heraklit sagt: ALLES fliesst, nicht nur der Fluss. Auch Buddha sagt das, wenn auch anders. Das finde ich nun wieder ergreifend. Beunruhigend. Verstörend. Belebend. Ja, wir selber fliessen, bleiben nicht, wie wir es kennen oder gern hätten; und versuchten wir es, da wären dann Stillstand und Tod die Folge. Was da eigentlich fliesst, sich stets wandelt, das mag jede und jeder für sich ergründen.

Beziehungen ändern sich, fliessen. Dann könnten sie doch spannend bleiben, für uns Menschen, gerade die Liebesbeziehungen, wenn wir nur nicht solche festgelegten Ideen von uns selber, dem/der anderen, von der Beziehung hätten. Wenn Veränderungen nicht oft so beängstigend für uns wären.

Wir begrüssen das Vertraute, das Sichere. Doch inwieweit gibt es das überhaupt? Worauf können wir bauen, wem ist zu trauen, was trägt letztendlich?

Kann uns das Wissen um das Fliessende leichter werden lassen?

Die Offenheit und Neugier des kleinen Kindes: Können wir diese wachhalten und geniessen? Wo sie doch mit solcher Frische der Erfahrung belohnt wird!

Überhaupt: Vielleicht verlieren wir auf der einen Seite lieb gewordene Illusionen, gewinnen aber einen Zuwachs an Leichtigkeit und Freude am niemals vorher so da gewesenen Fluss.

Während wir selber und unser Leben, hin und wieder nehmen wir es wahr, zu Wassertropfen werden, welche das gesamte Universum in sich spiegeln.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr Artikel

Die Kunst des Trauerns

Die Kunst des Trauerns

Im Grunde habe ich diese erst gelernt, als ich mich zu einer Ausbildung im Gruppenleiten angemeldet hatte, die den Namen „Themen zentrierte Interaktion“ hatte. Wir lernten schnell, dass Trauer wie andere Gefühle, Gefühlszustände oder Geisteszustände zu unserem...

Newsletter „Schreiben“ 3/2020

Newsletter „Schreiben“ 3/2020

Liebe Freundinnen und Freunde des freien Wortes, während ich gerade ein Buch lese, von einer schreibenden Schwester aus dem anderen Deutschland, Ina Geipel, wird mir die ungeheure Kostbarkeit des "freien Wortes" noch einmal tiefer bewusst. Wie viel geistige und...

Das Nadelöhr

Das Nadelöhr

Vor einigen Tagen verwendete ich in einem inspirierenden Gespräch die Metapher „Nadelöhr“. Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, dass wir Menschen mit dem belastenden Thema „Corona-Pandemie“ durchs Nadelöhr müssen. Was meinte ich genau damit? Der Begriff schien...

Impressum

Datenschutz

Kontakt