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Schreiben heisst mir nah’ zu sein – Meditieren auch

von | 26. Mai 2019 | 0 Kommentare

Schreiben heisst mir nah’ zu sein – Meditieren auch – Erst kürzlich entdecke ich auf‘s Neue, wie verwandt sich beide Aktivitäten sind: Sie verlangsamen das Denken. In dieser Verlangsamung kann soviel geschehen oder deutlich werden.
Denn es geht weniger um äussere Geschehnisse als um innere, als um die Beobachterin, als um ein Lassen: Ein Geschehen lassen, ein Zulassen dessen, was ist. In einem Schreib- oder Meditations-Retreat (Retreat als bewusste Entscheidung zur Einkehr), werden äussere Reize erheblich reduziert, nichts soll mich an meinen Alltag erinnern, jedenfalls nicht den umtriebigen Alltag, in dem ich mich eher wie eine Getriebene erlebe. Wenn ich mich denn überhaupt erlebe. In vergangenen Zeiten war Vieles wahrscheinlich ungleich belastender und härter, als wir es uns überhaupt vorstellen können. Jedoch scheint es mir, dass man noch etwas von natürlichen Zeitabläufen wusste. Hungern, Durst und Verzicht gehörten zum normalen Leben dazu, wenn die Ernten schlecht waren oder Seuchen grassierten, vor allem für die Armen. Ich stelle mir vor, dass der Anblick von kranken, schwerkranken und toten Menschen und Tieren üblich war. Vielleicht nicht für völlig abgeschirmte Königs- und Fürstenhäuser. Man ging viel zu Fuss, oder ritt, wenn man sich ein Pferd oder eine Kutsche leisten konnte. Das ist noch gar nicht so lange her. Geschrieben wurde mit der Hand, Papier kostete Geld, und Kuriere überbrachten Schriftstücke. Es gab Stadtschreiber, eine weibliche ist mir nicht bekannt. Wie es Berufene zu Kontemplation und Gebet gab. Wiederholungen der immer gleichen Texte, Märchen, Legenden, Gebete, Lieder gruben sich ein ins kollektive Gedächtnis. Interessante Schriften wurden mit der Hand vervielfältigt. Still zu sitzen oder zu knien in einer Kapelle. Langsam zu gehen bei Prozessionen, hinter Särgen, im Klostergarten … das war vertraut. Mit Senioren, Kranken und Kindern hatte man sich auch zu verlangsamen. Ruhte man in sich selber? Mehr als heute? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass wir in unserer heutigen Zeit der Dauerberieselung mit Geräusch, Licht, Algorithmen unbedingt Räume aufsuchen müssen, die uns dieses Ruhen in uns selber ermöglichen. Wie erfahren wir sonst, wer wir sind? Woher wir kommen? Wohin wir gehen? Welches unsere heilige Lebensaufgabe ist? Die wir verfehlen können oder auch nicht. Haben wir nicht alle ein wenig oder mehr Angst, dass wir diese Aufgabe, die uns das Leben stellt, nicht kennen oder nicht ergreifen?Ich jedenfalls hatte sie schon früh, diese Motivation, ein sinnvolles Leben zu führen, später einmal weise zu sein. Vielleicht weil ich Entfremdung und Lügen körperlich spüren konnte und oft krank war. Lesen, schreiben, meditieren sind von Alters her kontemplative Tätigkeiten, die es vermögen, mich eins fühlen zu lassen, mit Körper, Seele, Geist. Mit dem Leben, dem Du. Laufen in der Natur übrigens auch. Laufen ist wie mit den Füssen zu dichten.

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