Diese Disziplin hängt eng mit dem „Danken“ und dem „Schenken und beschenkt Werden“ zusammen. Wir sollen annehmen, was uns das Leben gibt, höre oder lese ich immer wieder. Es ist ein so weites Feld, beschreibt eher eine Haltung als eine Handlung, ändert sich je nach den Umständen und unserer Bewusstheit. Vielleicht sagt uns das etwas altertümliche, gehobene Wort „empfangen“ eher, worum es hier geht. Um eine Öffnung des Herzens, eine Bereitschaft, die mit Geduld und Vertrauen zu tun hat. Wir können uns geöffnete Arme und Hände dabei vorstellen, einen ruhigen, offenen Blick. Kein Wollen, kein Müssen.

Kann ich dies Leben voll und ganz annehmen, bejahen, mich daran erfreuen, dass ich geboren wurde? In diese Zeit? Oder hadere ich ständig damit und kann meine Geburtstage nicht ausstehen? Bei mir hat es lange gedauert, doch seit ich mich Mitte der Vierziger Jahre voll zu meiner ersten Berufung bekannt habe, der einer Schreibpädagogin, als ich also täglich Sinnhaftigkeit und Erfüllung in meinem Tun erlebte, ist jeder Tag ein Geschenk, kann ich mich und auch Dich als Geschenke sehen. Dazu gehört, dass ich Lebensumstände übe, kreativ anzunehmen und sie ggf. fruchtbar werden  zu lassen. Grundsätzlich kann alles fruchtbar gemacht werden, nur die Gewalt, der Krieg, die Zerstörungswut – ich bezweifele, dass diese hochgradig zerstörerischen Energien aufbauende Kraft haben. Also ahnen oder wissen wir, was wir zurückweisen müssen: Das „Angebot“, uns anstecken zu lassen von verletzenden Worten und Taten, von Lügen und dauerhafter Verdrängung, von Krankheit und Armut.

Annehmen liegt im Hinschauen und Hinhören und Bezeugen. Zivilcourage bedeutet aber auch, nicht zu schweigen aus Angst, unangenehm aufzufallen. Rasch und unmissverständlich zu reagieren, zu antworten auf getanes Unrecht, gehört zum Ablehnen und Zurückweisen. So nicht. So nicht mit mir oder mit uns. Wir üben dabei eine verbindende Sprache und stellen uns nicht über andere.

Zuhören ist empfangen ist annehmen. Erst einmal annehmen, und dann vielleicht das Meine vorbringen. Auf das „Gemeinsame Dritte“ warten, auf das, was zwischen uns entstehen will.

Die sieben Disziplinen, Teil 6: Annehmen – oder zurückweisen
Die sieben Disziplinen, Teil 6: Annehmen – oder zurückweisen

 

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