Liebe Suchenden, Sitzenden, Sangha-Freunde:innen!

Der “Kleine Tempel” in Bonn

Hier findest Du die Kurzfassung der Zen- und Tempel-Angebote der Angebote bis Weihnachten im Überblick:

Aktuelles:
Zazen hybrid: In der Sommerzeit täglich morgens 6:30-7:30, danach 7:00-8:00. Sa und So: 8:00-9:00, Mi und So mit Rezitation für kranke oder verstorbene Menschen, die uns nahe sind.

Zazen abends online: 21:00 oder 21:30.wird zunehmend und relativ spontan in Whatsapp-Gruppe vereinbart.

Halbtags-Sitzen hybrid: 3.9., ausnahmsweise 8-12 Uhr, 26.11.2023, 9:00-14:00 (vorher kein Zazen). Bitte erkundigt Euch nach dem Programm. Es beinhaltet alle “klassischen” Übungen, mehrmals Zazen und Kinhin, Tee- und Snackpause(n), Vortrag und Herz-Kreisgespräch (Council). Thema: Die sieben Arten der Meditation

Sitzgruppen-Treffen: 10. Oktober 2023, 11-16/17 Uhr. (Inhalt: Zazen im Kleinen Tempel, Cappuccino-Meditation, Herz-Kreisgespräch. Spaziergang Venusberg, frühe Einkehr. Rückblick, Vorausschau)

NEU! Langzeitprojekt – Herz-Kreisgespräch: Die Meditation der Kommunikation/evtl. Training (freiwillig, d.h. man und frau und Jugendlicher kann auch ohne Trainingsabsicht dazu kommen. Dies Training KANN als Zenpeacemaker-Baustein gesehen und verwendet werden. Ich bitte herzlich um ein Gespräch darüber.) 1.9., 3.11., 8.12.2023, 12.1., 26.1., 9.2.2024 jeweils von 18:00-21:00. Das Projekt wird das ganze Jahr, ca. einmal monatlich stattfinden. Auch Jugendliche und Senioren sind herzlichst eingeladen. Menschen mit besonderen Bedürfnissen bitte ich, ein Vorgespräch mit mir zu haben, da sie wahrscheinlich nicht in den IV. Stock (Tempel) laufen können. In dem Fall miete ich rechtzeitig einen Raum. –
Modul I: Einführung in Kreisarbeit
Modul II: Einführung in Gruppendynamik
Modul III: Ruth Cohn und TZI
Modul IV: UBUNTU: die Prinzipien von Ubuntu sind: Respekt, Fürsorge, Mitgefühl, Liebe, Solidarität, Anteilgeben und -nehmen, Versöhnung und Gegenseitigkeit (Südafrika)
Modul V: Schamanismus: Initiationsrituale
Modul VI: Die drei Grundsätze (Tenets) der Zen Peacemaker (Bernie Glassman)

Nach Selbsteinschätzung:
Wenn Du leichten Zugang zu Wohlstand hast: Wähle bitte zwischen 65 € und 45 € pro Modul. Bei erschwertem Zugang zu finanziellen Ressourcen wähle bitte zwischen 15 € und 25 €. Danke.
Nach jedem Modul schreibe ich eine kreative Zusammenfassung, für die ich auch um eine Gebühr bitte. Bitte wähle zwischen 7 € und 20 €. Danke.
(Übrigens weisen wir gerade bei diesem gemeinschaftsfördernden Projekt niemanden ab, der einen finanziellen Engpass erlebt, aber sehr gerne am Training teilnehmen möchte. Dies klären wir in einem Telefonat.)

Jahreskreisfest: 21. September, 21. Dezember. Auf jeden Fall, außer wenn es aus Eimern schüttet, gehen wir raus. Je nach Jahreszeit Sitzkissen, Decke, Wasser oder Tee, evtl. gesunde Snack-Zutaten mitbringen. Inhalte: Gehen und Sitzen in Stille, Singen, Chanten. Der Herz-Kreis findet draußen oder im Kleinen Zen Tempel für Zenpeacemaker statt. Über die Uhrzeiten verständigen wir uns noch bzw. wirst Du nähere Angaben in den nächsten Tempel-News finden.

Wo werde ich zu finden sein, wenn ich nicht im Kleinen Tempel bin bzw. keine Retreats/Seminare gebe? Vielleicht möchtest Du mal virtuell oder live mitkommen?
– Bei everdayzen.org sitze ich nachmittags (16:30-17:00) und in All-Day-Sits (meist letzter Samstag/Monat), so oft es passt
Podcasts höre ich von Norman und den Lehrerinnen und Lehrern von Upaya Zen Center, nehme wie am vergangenen Wochenende zum Beispiel am Dogen-Retreat mit wunderbaren Vorträgen teil und freue mich immer, Roshi Joan in Frische und Wertschätzung zu erleben.
James Ford höre und lese ich nach wie vor mit Begeisterung. Wenn ich noch Zeit übrig hätte, würde ich der Empty Moon Sangha beitreten, bei der man ohne Umstände und ohne Spenden sitzen, zuhören, lesen, sein und sogar Koans studieren kann. Manchmal denke ich, ich sollte das tun. James ist interreligiös und ungeheuer kreativ, lebendig und unprätentiös dabei, die Unitarier und die Zennies liebend
– im Dana Center, Montreuil, Paris (Link): Ich bin ziemlich sicher in zwei Sesshins: 21.-28.10.2023, mit Genno (Cathérine), und im Ende-des-Jahres-Sesshin mit Genko (Michèl, Link)
– Zwischen Akazienzendo und Dharma Sangha Schwarzwald und Leerer Wolke (NEU!) kann ich mich kaum entscheiden. Ich muss mich krass führen lassen. Akazienzendo und Dharma Sangha sind beide mit San Francisco Zen Center verbunden wie ich, Dharma Sangha noch stärker, da Bakerroshi einer der Lehrer von Norman Fischer gewesen ist, und manchmal glaube ich, das zu erkennen, wenn ich ihn höre, wenn ich Nicole Baden so natürlich und selbstbewusst übersetzen höre. Ich weiß nur, dass ich es im Moment genieße, in einer Sangha zu sitzen, Donnerstags, und hin und her zu schreiben, die buchstäblich nur eine halbe oder Dreiviertelstunde von mir entfernt und in Deutsch stattfindet.

  • Bei einem Pax-Christi-Treffen: Das nächste findet am 29.8.2023 statt. Es gibt jede Menge Friedenstage, Hiroshima-Tage, übrigens auch “Umwelt-Tage”, die vom DBU organisiert sind. Diese DBU-Gruppe hat neulich eine ansprechende lange Gehmeditation in Hannover gemacht, die mich begeistert hat: Konsum-kritischer Stadtspaziergang”.
  • selten: bei Via Integralis, Bonn mit Winfried Semmler Koddenbrock
  • Vanja Palmers and David Steindl Rast

    Vanja Palmers and David Steindl Rast
    © www.felsentor.ch

    im “Christlich-jüdischen Café”, 1. Donnerstag nachmittags/Monat oder in der Synagoge Tempelstraße, die gerade umgebaut wird.

  • auf der Straße irgendwo, beim Besuchsdiensttreffen in der Friedenskirchengemeinde, bei den “Omas gegen Rechts” in Köln oder dem SeaWatch-Treffen auf dem Marktplatz
  • vielleicht will ich mich auch nicht finden lassen und laufe herum oder fahre Fahrrad, mit dem ipad und einem Tagebuch und Buch dabei, weil ich meine Ruhe haben will
  • Da ich den Interreligiösen Weg auch schätze – im Grunde habe ich den von und mit Bernie gelernt -, zieht es mich auch zu Vanja Palmers und Bruder David Steindl-Rast (eher für längere Sitzperioden). Das einfache Leben, das sie offenbar beide pflegen, zieht mich an.
    Ich finde das praktisch und naheliegend.

Ihr seht schon, ich bin entweder eine Verrückte oder eine Begeisterte. Wahrscheinlich Beides. Aber ich kann auch “Nein” sagen und monatelang nicht auftauchen (in den Café-Formaten oder bei Mahnwachen etc.). Was ich versuche nicht zu verschlampen, sind die Zazen/Sitz-Meditations-Termine.

“Mensch-Sein-in-unserem-Land – KEINER WIRD VERGESSEN”: Pilgerfahrt zu Terry Schwarzberg/München und nach Dachau! KOMMST DU MIT ODER STÖSST DU ZU UNS? Grober Plan: Mo 6.-Sa 11.11.2023. (Es können auch ein oder zwei Tage weniger sein. Genaueres wirst du noch erfahren). >Höhepunkt: Am 9.11.2023 werden 60 STOLPERSTEINE verlegt werden.
ICH BITTE SEHR HERZLICH FÜR SPENDEN FÜR STOLPERSTEINE UND TERRY SWARTZBERG! (Video: How to create a Stolperstein – by Alima)

Für diejenigen, die gerne lesen und mehr von mir erfahren möchten:

Hier ist die Langfassung:

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, nach vier Jahren Covid: Ich jedenfalls nehme einen regelrechten Bruch zwischen einem Vorher und einem Nachher wahr. Durch die verschiedenen Newsletter ist bekannt, dass sich mein Seminargeschäft vollständig verändert hat. doch das ist kein Thema heute, und ich bin nach Kräften dabei, neu durchzustarten. Doch die Aktivitäten rund um Meditation, Zen, Trainings oder Ausbildungen, Retreats bzw. Pilgerfahrten, die ich selber anbiete, haben sich einfach auch verändert!

Ich war gewöhnt, und habe es genossen, dass Menschen, die mit mir meditieren, sitzen oder etwas üben wollten, natürlich persönlich in den Kleinen Tempel kamen! Ich war es gewöhnt, diesen ehemaligen Wäschetrockenraum immer als Erstes herzurichten, frische Blumen zu kaufen, auch für den Flur und die Treppe, und diesen Bereich einfach in Ordnung zu halten. In den kurzen Pausen haben wir zur Gehmeditation die Treppen benutzt (meist zwei Stockwerke von vieren) und manchmal den Garten (bei 30-minütigen Geh-Meditationen), zu dem wir allerdings ein paar Schritte zurücklegen müssen. Ich erinnere mich so gerne nicht nur an den gemeinsam vorbereitetem Cappuccino von der regelmäßigen Cappuccino-Meditation, die Freitag morgens stattfand, später abwechselnd mit Samstags. Sangha-Frühstücke gab es, im Tempel oder im Wohnzimmer. Oft wurden vegane Köstlichkeiten mitgebracht von der Gruppe aus fünf Medizinstudentinnen und einer Mediendesign-Studentin, die sich untereinander anfreundeten und sich zum Beispiel erfolgreich bemühten, zur selben Zeit den jeweiligen Auslandsstudienaufenthalt mit der Humboldt-Stiftung anzutreten: ein Sanghamitglied (Pauli) in Griechenland, eines (Sophie) in Spanien, eines in Portugal (Joana). Wir hielten Kontakt, indem wir versuchten, möglichst einmal wöchentlich, aber mindestens einmal monatlich morgens miteinander zu sitzen. Dies war nicht ganz einfach wegen der unterschiedlichen Zeitzonen, aber: Wir blieben dran! Nahmen uns das wunderbar aufrührerische Buch “Das verlorene Licht – Geschichten von weisen Frauen aus 2500 Jahren”, hrsg. von Florence Caplow und Susan Moon vor und entwickelten eine eigene, kreative Methode, diese selbst gestellte Aufgabe zu lösen. Diese Aufgabe hatte u.a. mit Intuitivem Schreiben zu tun. Wir tippten nach jeder Sitzung unserer eigenen Text ab und stellten diesen zur Verfügung. Eine (Danke, liebe Pauli!) von uns sammelte diese Texte. Wir fanden leider noch keine gute Möglichkeit, diese in einen für andere interessanten und lesbaren Kontext zu stellen. Oft las ich noch, sozusagen als Krönung, den Resonanztext als Sprachnachricht auf Whatsapp vor, der im Buch nach jeder Geschichte abgedruckt steht, wie schon gesagt, von einer Dharmalehrerin oder Priesterin ausgelegt. – Wir hatten eine sehr gute, produktive Zeit mit diesen Treffen, wie auch mit dem halben Jahr ungefähr, in dem wir uns Sonntags abends zur sog. “Tatort-Meditation” trafen, mit dem Thema “Den Schmerz in unseren Beziehungen heilen”. Dazu verwendeten wir Übungen aus GfK (Gewaltfreier Kommunikation), Metta-Meditation, Rollenspiele. Ich habe sehr viel gelernt.

Nacheinander wurden in den Covid-Jahren die Staatsexamina abgelegt, Doktorarbeiten geschrieben, das Klinische Jahr absolviert, das zweite Staatsexamen bestanden. Inzwischen von allen. Ich bin unfassbar stolz auf alle.
Lange haben wir versucht, trotz der räumlichen Entfernung (eine ehemalige Studentin lebte die meiste Zeit in Afrika, wo sie sich ehrenamtlich engagierte, eine andere war öfter in Norwegen bei ihrem Freund, die nächste in Hamburg beim Freund usw.), der knapper werdenden freien Zeiten, unterschiedlicher Entwicklungen bis hin zu zwei Familiengründungen einen gewissen Rhythmus des Miteinander-Übens aufrechtzuerhalten – dann eben am Bildschirm! – und uns auch von den unterschiedlichen Auffassungen zum Umgang mit der Seuche nicht auseinander zu entwickeln. Wir haben schließlich nach einem schwierigen Treffen, ich weiß gar nicht mehr, wann das genau war, aufgegeben. Auch deshalb, weil inzwischen alle anders meditierten: nach besser passenden Uhrzeiten und Vorgaben – eine völlig natürliche und zu begrüßende Entwicklung.

Daran konnte ich gut erkennen, was immer wieder gesagt wird, geschrieben steht: Es geht nichts über ein regelmäßiges, möglichst gleich bleibendes Praxis-Angebot, gehalten mindestens von der Initiatorin, die den Raum hat und hält und sich berufen fühlt, dieses Angebot einerseits selber in Anspruch zu nehmen wie auch bereitwillig zu teilen, was zu teilen ist. Diese Grundidee finde ich immer noch grandios, und ich versuche, mich von den eigenen Aufs und Abs wenig irritieren zu lassen und einfach zu bleiben: einfach dabei zu bleiben.

Kurz gesagt: Es kommt eigentlich keine und keiner mehr persönlich. Einmal im Jahr versuchen wir, in der neuen Minigruppe, allerdings, ein persönliches Treffen auf die Beine zu stellen. Verena hatte lange und konstant mit mir alleine gesessen, und wir arbeiteten das Buch von Thich Nhat Hanh “Das Wunder des bewusste Atems” durch und übten. Danke, Verena, es war eine gute, vertraute, lehrreiche Zeit. Das nächste Sitzgruppen-Treffen wird am 15. Oktober diesen Jahres stattfinden. Bitte erkundige Dich, wann wir genau beginnen und enden. (Wahrscheinlich von 11-16/17 Uhr: Inhalte: Tee/Cappuccino-Meditation mit Herzkreis, Spaziergang auf den Venusberg, in der Waldschenke eine Kleinigkeit essen und wieder an meinem Haus landen). Im letzten Jahr haben wir einen wunderbaren Sommertag am Rhein, auch mit Sitzen und Council (Herzkreis) erlebt. Zwei Männer, Matthias und Ingo, und eine Frau, Katrin, manchmal auch die 11jährige Edda, meditieren regelmäßig mit mir. Wir sitzen Zazen, übten auch geführte Meditation nach Thay (Thich Nhat Hanh), die ich auswendig parat habe. Am meisten ist der Sonntag gefragt, eine Stunde von 8-9, wobei wir neuerdings kurze Praxisgespräche dranhängen. Manchmal ist es auch Samstag und Sonntag. Ich selber sitze täglich, im Sommer 30 Minuten früher, also von 6:30-7:30. In der vergangenen Woche wurde spontan danach gefragt, ob wir nicht abends von 22:00-22:30 sitzen könnten, und ich habe die Idee aufgegriffen und dreimal hintereinander eingeladen. Seit es kühler geworden ist, haben wir auch schon eine Stunde früher gesessen. Bitte erkundige Dich danach, wenn Du interessiert bist. Ich fühle mich am Glücklichsten, wenn ich morgens und abends sitze. Gerade frage ich mich, was fehlt, um diese Praxis auch alleine beizubehalten und an welchen Wochentagen. Morgens sitzen manchmal Ingo und manchmal Matthias mit mir. Meist zitiere ich die Namen der erkrankten oder gestorbenen Menschen in unserem Umfeld alleine; jedoch hat es vor einigen Abenden gut gepasst, die Rezitation mit Matthias zusammen zu machen, und ich setzte das Sutra “Enmei Jukku Kannon Gyo” auf die Whatsapp-seite “Kleiner Zen Tempel, damit es abgelesen und gelernt werden kann. Auch Du kannst Dich in diese Gruppe aufnehmen lassen, wenn Du mit uns/mit mir einigermaßen regelmäßig sitzen willst. Die beiden Rezitationstage sind: Mittwoch und Sonntag.

Die “Vier Großen Gelübde” rezitieren wir wöchentlich abwechselnd auf Englisch (everdayzen-Fassung) und Deutsch (zen peacemaker-Fassung). Englisch bin ich zum Einen gewöhnt, aber das Hauptargument ist, dass Englisch die Sprache ist, in der wir uns als “World Citizens” (Bernie Glassman), d.h. jenseits der Nationalismen, miteinander verständigen können. Deutsch finde ich wichtig, damit wir wissen, was wir da eigentlich rezitieren und auch für uns schauen können, womit wir gehen können. Vera zum Beispiel, die ihre Wurzeln im Christentum hat, aber für eine Weile Thich Nhat Hahns Lehren über “Das Wunder des bewussten Atems” und der Zen-Form – wie ich sie pflege -, mit mir zusammen gefolgt ist, mochte nicht mitsingen: “Der Buddha-Weg ist unübertrefflich…”, sondern “der Weg des Erwachens…”. Ich lege Wert darauf, dass Interessierte mitentscheiden, wo und wann sie Anweisungen zum Rezitieren, Verbeugen etc. mitmachen wollen. Durch ausführliche und wiederholte Erläuterungen/Einführungen und gemeinsame Erfahrungen können diese Rituale Orientierung, Harmonie und tiefe Freude schenken, ähnlich einem gut geleiteten Chor. Und wenn nicht Freude, weil wir nicht jeden Tag gleich gut gestimmt sind, so doch eine ruhige, stille Zuversicht oder mindestens ein Gefühl von Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Akzeptanz, Selbstwirksamkeit. Wir sollten nie unterschätzen, dass Menschen Sehnsucht danach verspüren, etwas zu können (jenseits von dem, was “man” angeblich können und leisten muss, um in dieser Gesellschaft zu bestehen), etwas Wesentliches zum Wohl der kleinen und großen Gemeinschaft beizutragen, gesehen und gehört zu werden, vielleicht in einer tieferen Weise als sonst.

Norman Fischer

Wenn ich ein Resümee der vergangenen vier Jahre meiner spirituell/religiösen/Reifungsübung ziehen soll (was eigentlich unmöglich ist, vielleicht könnte noch eher mein hauptsächlicher Lehrer Norman Fischer (während der vergangenen vier Jahre) dazu etwas Maßgebliches sagen, dann waren es die vier Praxisperioden (fast 3-monatige Intensive Übungszeiten), die mich angezogen, fasziniert, berührt, gefordert haben. Dreimal fanden diese jeweils von September bis Ende November, in diesem Jahr 2023 von Januar bis Anfang April (Dafür gab es in 2022 gar keine Praxisperiode, weil dieser Wechsel von Herbst auf Frühjahr stattfand). Für mich war das einerseits sehr ungünstig (vom Standpunkt des Einkünfte-Erzielens her, denn Februar bis Ostern und Ostern bis Sommer ist eine sehr wichtige Zeit für Angebote, jetzt vor allem während des andauernden Krieges und der Inflation sowie der Klimakatastrophe und der psychischen Belastung, die mit dem Allen einhergeht); andererseits konnte ich meine Reise im Frühling 2023 nach San Francisco machen und mit dem Sesshin der Praxisperiode in Santa Sabina schließen. Das war wunderbar.

Wie viele von Euch wissen, sind mir die Wege Zen/Kontemplation/Meditation/”Praxis im Feld” genauso bedeutsam wie die Berufung als Poesie- und Bibliotherapeutin. Beide Berufungen sind Lebenskünste und passen so gut zusammen! Ja, um kontaktfähig und aufgeschlossen zu sein und zu bleiben, muss ich geradezu ein Gegengewicht pflegen und üben, welches mit Stille, innerer Kultivierung, Ressourcen-Pflege und Verzicht auf Tun und Gelten zu tun hat, und dies umso dringlicher, je älter ich werde. – Zur Praxisperiode, wie sie von Norman Fischer und dem Leitungsteam angelegt ist: Wir, die wir uns anmelden, setzen uns zu Beginn der Praxisperiode immer Ziele, die wir den Lehrern, Priestern, “Ältesten” mitteilen und überprüfen am Ende, wie unsere Bilanz aussieht. Dazu gibt es nicht nur wöchentliche Dharma-Seminare meist zu klassischen zen- oder buddhistischen Texten (aber nicht nur), an denen ich, obwohl diese frühmorgens/nachts stattfanden, ziemlich regelmäßig versuchte teilzunehmen (Wecker!), und auch nicht nur monatliche “All-Day-Sits”, am letzten Samstag jeden Monats (ich habe fast nie einen verpasst), sondern zusätzliche Treffen mit einem “Senior”, den wir uns meist aussuchen konnten, und einer Praxispartnerin oder einem -partner. Dazu kamen Teegespräche, tägliches Zazen, und ein 7-tägigen Sesshin.

Monika und Steve Gross

​Worte finde ich im Grunde immer noch nicht für die Erfahrung des langen und bequemen Fluges nach San Francisco (er dauert 10 Stunden). Ich hatte drei Sitze für mich, und habe viel geschlafen, wenn ich nicht aus dem Fenster geschaut und gestaunt oder gelesen habe. Zwei Mahlzeiten erhielten wir auch, und auf dem Rückflug wurde während einer langen Zeit alles abgedunkelt, damit es uns so vorkam, als hätten wir eine ganze Nacht geschlafen und wären danach morgens angekommen.
Dass mein Freund und Bruder Steve Gross am Flughafen auf mich gewartet hatte und mich erst zu einem sagenhaft guten Italiener einlud und danach zu dem gebuchten Hotel in St. Raphael brachte, war ein herzberührendes Geschenk. Steve war mein erster Praxis-Leiter (Shuso) in 2019 gewesen, und wir haben uns danach angefreundet und immer wieder vertrauliche Zoom-Gespräche geführt. Am 31. Mai dieses Jahres hat Steve sog. “Lay-Entrustment” erhalten, d.h. er darf jetzt den Dharma lehren. Ich bin sehr stolz auf ihn und freue mich mit. Die Zeremonie habe ich nicht miterlebt, da ich seit meiner Rückkehr aus den USA keine Nachttermine mehr wahrnehmen möchte, meiner Gesundheit zu Liebe. Mit Nachttermin meine ich nicht, um 4 Uhr aufzustehen, das könnte und würde ich gerne machen. Es handelt sich um Zeiten zwischen 1 und 3 Uhr morgens, die ich sehr anstrengend finde. Mit der richtigen Einstellung ist das zwar möglich und manchmal auch nötig (man macht es für Kranke, Babys, Kinder und Sterbende und sehr wichtige Vorhaben schließlich auch!), das möchte ich ausdrücklich betonen, aber oft war ich an dem Tag danach, stets dem Donnerstag, manchmal sogar länger, nicht richtig zu gebrauchen. Diese sog. Dharma-Seminare, die fast das gesamte Jahr hindurch stattfinden, manchmal von anderen Priestern oder Lehrern geleitet als Norman, waren für mich das Allerbeste, um die Sangha “everydayzen” kennen zu lernen. Obwohl die Dharma-Vorträge stets aufgenommen werden und zu hören sind, fehlt der lebendige Bezug zu Sangha-Themen, die zu Beginn oder am Ende angeschnitten werden. Außerdem sehen wir die vertrauten Gesichter in ihren Räumen, die mit der Zeit liebgewordenen Altäre o.ä., und fühlen uns vertraut. Besonders anfangs, als die Gruppe noch kleiner war, vor Covid, war es ein Raum des Schutzes gewesen. Später konnte die Sangha sehr groß werden, mehrere “Seiten” lang, und man sah bei “All-Day-Sits” eine ganze Reihe von Menschen, die vielleicht nur Norman kannte oder in Kürze kennen lernen würde. Das fand ich für eine Zeitlang unbefriedigend und enttäuschend. Es dauerte, bis ich meinen Platz gefunden hatte, an den Ganztages-Sitzungen, und mich im Gruppen-Dokusan bei Norman zurechtfand. Fiel eins der Gruppentreffen einmal aus, aus irgendwelchen technischen Gründen und fand länger kein Einzel-Dokusan statt, fand ich es zunehmend unbefriedigend, regelrecht traurig, mit der Gruppe zu sitzen. Es fiel kaum mehr auf, ob man anwesend war oder nicht. Wenn ich hieran zurückdenke, bin ich doppelt froh, in den USA gewesen zu sein: Mein Aufenthalt, die persönlichen Treffen mit einigen Sangha-Mitgliedern und das Sesshin selber verhalfen mir zur Festigung des “älteren Gefühls von Zugehörigkeit”, das ein Stück weit verloren gegangen war. Je öfter sich die Sangha wieder persönlich treffen konnte, desto eher fielen, trotz aller Geschicklichkeit mit uns Zoom-Teilnehmerinnen und -teilnehmern, wir irgendwie “aus”, “runter”, was natürlich AUCH mit den Mängeln der Zeitverschiebung zu tun hat. Ich war in 2022 sehr frustriert, dass zwei geliebte Retreats, ein jüdisches mit Dorothy Richman, und das jährliche in Samish Island mit Nomon Tim Burnett diesmal NICHT hybrid stattfand. Beide Formate hatte ich mindestens zweimal mitgemacht, sie waren nährend und tief und hatten das Jahr strukturiert. Ich war noch nicht soweit, nach “Ersatz” in Europa zu gucken, zumal Covid noch nicht ganz vorüber war. Man muss sagen, dass diese Jahre am Bildschirm, in denen ALLE am Bildschirm saßen, auf die Pandemie zurückgingen. Vermutlich wäre ich zwar so auch auf Norman gestoßen, aber es ist unrealistisch anzunehmen, dass ich derartig intensiv mit zwei amerikanischen Sanghas verkabelt war, ohne dass die Notwendigkeit dazu bestanden hätte. Die technische Qualität der Übermittlungen war gemessen an vielen anderen europäischen großartig und schnell. Dazu kamen zwei weitere Argumente: Ich sprach, spreche, höre und lese zunehmend gut Englisch. UND: Beide Sangha-Leiter, Roshi Joan und Roshi Norman schreiben gerne und viel und kommen mit anderen Viel-Schreibenden klar. Joan mehr auf Facebook, Norman schreibt mehr Bücher. Das war und ist ein grosses Plus für mich.

Der Bericht würde sich nicht komplett anfühlen, wenn ich nicht noch auf die Wochen vor meiner Abreise nach San Francisco eingehen würde. Es gab eine überraschende und positive Wende, als Norman Fischer sich einschaltete zur Frage: Wo finde ich eine Unterkunft an den Tagen vor dem Sesshin?
Auf einmal war etwas möglich, was ich nicht gesehen habe. Man oder Frau kann zu einem geringen Preis für mindestens 14 Tage, in meinem Fall haben 8 Tage gereicht, als “resident” in Green Gulch leben, praktizieren, arbeiten. Also genau wie alle anderen. Ihr müsst wissen, Green Gulch liegt absolut zauberhaft, weitab vom Lärm, umgeben von Feldern und angelegten Beeten, Hohen Bäumen und direkt an einem bezaubernden Wanderweg zur Muir Beach: An der auch Norman wohnt und oft, wie ich später erfuhr, Dokusans gibt. Wahrscheinlich hat es das oft gegeben: Dass Europäer dort kurz oder lang lebten und sich mit irgendjemandem zum Gespräch trafen. Heute sehe ich das alles gelassen, denn ich war dort, und habe mit Vielen gesprochen. – Kurz und gut, es schien DIE LÖSUNG zu sein. Ich würde einen Tag vor Tag 1 von 8 Tagen ankommen, eine Übernachtung in einem Hotel haben (die habe ich dann auch rasch gebucht, denn die Flugkarte hatte ich schon), dann von Samstag bis Samstag in dem Retreat-Haus leben, wo Mary Ann mich abholen würde nach Santa Rosa. Alle, die mir vorher geholfen haben, mit mir zusammen nachdachten, mir versprachen, mich auf jeden Fall in Green Gulch zu besuchen – und das waren nicht wenige: Jane Flint, Susan Moon, Mary Ann Sacksteder, Anlor Davin…versorgten mich mit Infos. Dazu auch die junge Gästebetreuerin in Green Gulch, die mir das endlos lange Formular schickte, das sowohl für Anwärter:innen gedacht ist, die sich für zwei Jahre bewerben wie für solche wie mich. Du musst praktisch jede Krankheit auflisten, jedes Medikament, alle Ärzte, Not-Freunde, alle Vorkenntnisse, die Aspirationen…und das alles war nicht nur viel Arbeit für mich, sondern auch für diese Sangha-Schwester für die Gästebetreuung.
Es schien alles fertig zu sein, aber dann – kam das ESTA-Formular des Auswärtigen Amtes, absolut notwendig, um den Flug antreten zu können, nicht an Land. Trotz diverser Eil-Anträge, Telefonate…es kam nicht rechtzeitig, ich musste den Flug stornieren, den Aufenthalt in Green Gulch, alles, auch in Santa Sabina. Bis ich nach einer Nacht klar hatte, ich würde nicht aufgeben, sondern dann fliegen, wenn ich das ESTA Formular in Händen hatte.
Wie Ihr alle wisst, da ich ja dann flog, schien es angekommen zu sein. Ja, es gibt auch auf diesem Gebiet betrügerische Angebote. Mein erstes war viel zu teuer, und brachte keine Ergebnisse. Das nächste war preiswert, und ich hatte ESTA innerhalb eines halben Tages im Computer. Alles war peinlich, den anderen gegenüber, unangenehm. Und teuer. Ich bekam 70 % der Flugkosten erstattet, der neue Flug war teurer, Hotel und Esta wurden nicht erstattet.
Es hat mich fast nicht mehr interessiert. Ich wollte nicht im Herbst wieder beginnen, mit der Frage: Mexico: Ja oder Nein? Obwohl ich in Mar de Jade wahrscheinlich besser aufgehoben gewesen wäre. Ich hatte das Bedürfnis, das klassischste aller Sesshins zu erleben und möglichst viele der anderen geliebten Sangha-Mitglieder persönlich zu sehen: Jaune Evans, Susan Moon, Jane Flint, Christopher Dumbleton, Shuso Neal Shorstein, Mary Koopman, Shuffy, ah! Shuffy und so viele andere, deren Namen mir jetzt nicht einfallen, die mir aber sehr vertraut sind. Also: Alles ist Praxis. Her mit dem Dharma-Tor! Das Dharma-Tor: Peinlichkeit. Angst. Abgelehntwerden. Oder die Angst davor. Versagt haben. Ja. Eigentlich immer.

Mary Ann Sacksteder

Ich war auch sehr glücklich, dass Girija Brilliant sich um mich kümmerte und Nachrichten im Hotel hinterließ. Das gemeinsame asiatische Essen mit ihrem Mann Larry Brilliant zusammen, der mich zu meiner Freude und Überraschung kurz mit seinem Freund KD (Krishna Dass) sprechen ließ, die anschließende Fahrt unter die Golden Gate-Brücke, mit Aussteigen und Foto…, und der Spazierganz mit Girija von ihrem Traumhaus den Berg herunter zum Flüsschen…, all das ist eingegraben in mein Gedächtnis und Herz. Wir trafen uns dann an dem Samstag, an dem auch eines der Tee-Gespräche in einem Privathaus irgendwo wunderschön gelegen stattfand: Dort holte mich dann Mary Ann Sacksteder ab und fuhr mit mir nach Santa Rosa. Die großherzige und frühzeitige Einladung, im Santa Rosa Gemeinschaftsprojekt zwei Tage als Gast zu verbringen, hat mich sehr berührt und das Wissen darum Monate vor der Reise hat mir über viele Ängste und Einsamkeitsgefühle hinweggeholfen.

Doch vorher möchte ich noch erzählen, wie warmherzig die Betreiber des Hotels waren, wie gut ich dort geschlafen habe und dass mich am ersten Tag Anlor Davin und Patricia Sullivan abholten, um mit mir einen herrlichen Spaziergang zu machen, in windigem, sonnigen Märzwetter. Wir drei waren so froh, unter angenehmen Umständen miteinander reden und lachen zu können. Der Abschied war nur partiell: Denn Anlor würde auch persönlich zum Sesshin kommen. Es waren heitere, schöne Stunden mit den beiden.
Ich weiß gar nicht mehr, wann ich den Vormittag alleine in St. Raphael verbracht habe: Erst lange die vielbefahrene Straße entlanglaufend, was ich aber nicht schlimm fand: Zu interessant fand ich die Wegweiser mit teilweise vertrauten Namen darauf, die Sonne, die Landschaft. Für ein paar Hundert Meter nahm ich dann den Bus, der fast nur Spanisch sprechende Menschen aufgenommen hatte. Ich fand das sehr interessant, denn auch im Hotel hörte und sprach ich Spanisch: Waren die Angestellten hier “Mexicanos”? Also wie bei uns in einigen Vierteln fast nur türkische, italienische, spanische Menschen leben und arbeiten, so ist es hier mit den “Latinos?” Ich begrüße es sehr, dass ich Romanistik studiert habe und bin empört darüber, wie rassistisch und unfair weiße Menschen sind und sich noch für zivilisiert halten! Natürlich schließe ich mich hier voll mit ein! Eine Wahrnehmungsstörung, die auf narzisstischen Größenfantasien beruht und nicht auf Kenntnissen, Solidarität und wechselseitiger Anerkennung. Ich will damit gar nicht sagen, dass absolut richtig ist, was ich sehe und sage. Aber ich möchte offen sein dürfen ohne Angst haben zu müssen, geächtet zu werden.

Die Initiativen, denen ich auf meinem Streifzug durch St. Raphael begegnet bin, haben mich angesprochen: Von Foodsharing bis Angeboten für alte Menschen bis zu einem veganen Café/Restaurant waren vielfältig. Auch ökologische Maßnahmen wurden ergriffen, es gab eine Liste mit Terminen von Veranstaltungen, die mich beeindruckten. Ich hoffe, dass buddhistische Freundinnen und Freunde mit Graswurzelkooperativen u.ä. kooperieren.

Links Patricia, rechts Anlor Davin

Wie Ihr wisst, war es in diesem Frühling mein erklärtes Ziel, das Sesshin persönlich (“in person”) in einem ehemaligen Kloster (Santa Sabina) am Rand von San Fransisco zu erleben und vorher noch ein paar Tage (eigentlich war eine Woche geplant) zusätzlich für Praxis (Green Gulch hat dann leider nicht geklappt, obwohl alle mir sehr, auch finanziell, entgegen gekommen wären). Aber auch so war es schön und nährend – wenn auch z.T. viel zu teuer wie das Hotel zu Beginn meines Aufenthaltes – aus vertrauten Gesichtern und manchen Gesprächen am Bildschirm lebendige Menschen und Beziehungen werden zu lassen! Ich wurde eingeladen, mit der Zen-Priesterin und Freundin Mary Ann Sacksteder und ihrer Partnerin einen wunderbaren Konzertabend zu erleben und mir auszusuchen, welche Region ich am kommenden Tag sehen bzw. ein wenig erforschen wollte. Mary Ann versprach, mich dahin zu fahren, wo ich sein wollte. Bei himmlischem Sonnenwetter machten wir eine Tour nach Green Gulch, ich wollte diese Zen-Farm unbedingt noch einmal sehen, den Weg zum Pazifik laufen, auf dem Sand der Muir Beach sitzen, bevor ich, so glaubte ich, zurückfahren, das Sesshin erleben und nie wieder zurückkehren würde. Dieses klare, freudig-melancholische Gefühl hat sich gehalten.

Kürzlich war Joana Macy, unsere Lieblings-Älteste, im Upaya Zen Center, Santa Fe. Ganz links ist Dr. Wendy Lau zu sehen, ganz rechts Wendy Johnson. Alle vier sind mir ans Herz gewachsen.

Nach dreizehn Jahren zunehmend intensiver Arbeit mit amerikanischen Zenlehrern – und hier möchte ich auch besonders die Zen Priesterin Joan Halifax erwähnen –, mit der ich nämlich auch viele Wochenenden, Zazenkais und Praxisperioden (öfter im Januar und April) gesessen habe, unzählige Podcasts hörte von ihren zahlreichen, hoch-interessanten Kooperationspartnern und -partnerinnen. Für das Angebot des SEBT=SociallyEngaged Buddhist Training von Januar 2021-Januar 2022 bin ich Roshi Joan und unserer europäischen Sanghaleiterin Irene Bakker sehr dankbar. Was für eine anregende Zeit! Nach Jahren im Rinzai-Zen-Tempel “Choboji” und dem Abt Genjo Marinello in Seattle, beim Aufbau einer Bonner Rinzai-Zen-Sangha, einigen selbst-koordinierten Sesshins und einer Serie von berührenden und aufwühlenden Zeugnis-Ablegen-Retreats mit Bernie Glassman und Eve Marko (Auschwitz, Black Hills) schien die Zeit mit amerikanischen Lehrerinnen und Lehrern zu einem gewissen Ende zu kommen (wie immer man das definieren möchte). Auch aus dem wichtigen Grund, dass weder Norman Fischer noch Joan Halifax weiterhin in Europa lehren würden.

Das Training mit Joan hat mich u.a. gelehrt, verstärkt nach Kollaborationen zu suchen. Das habe ich in verschiedenen Bereichen gemacht und bin glücklich, mich interreligiös zu betätigen. Meine Teamarbeit mit jüdischen Geschwistern wird intensiviert durch Ausflüge (morgen mache ich wieder einen nach Siegburg), durch eine Pilgerfahrt nach München zu dem wunderbaren Terry Swartzberg. In der evangelischen Friedenskirchengemeinde bei mir “um die Ecke”, mit der kreativen, berührbaren Pfarrerin Stefanie Graner, bin ich im Besuchsdienst engagiert und bereit, hier und dort einzuspringen. Einen Schreibkurs in der Gemeinde, der am Samstag mit einem ganzen Schreibtag endet, sehe ich als weiteren hoffentlich interessanten Beitrag von meiner Seite an.
Endlich habe ich es auch geschafft, zum letzten “Pax Christi-Treffen” zu kommen. Mir tat es gut, dass Positionen zum Thema “Frieden” tief errungen, rege diskutiert wurden, dass ich mich überwiegend auf einem Boden befand, der wie ich Kriegen, Waffen (vor allem schweren Waffen, Atom- und Nuklearwaffen), Eskalationen – um es hier viel zu kurz darzustellen – kritisch oder ganz ablehnend gegenübersteht.

Mit dem Katholischen Bildungswerk bin ich in freundlichen Verhandlungen, eine Kursreihe anzubieten. Ich hoffe, bald Einzelheiten dazu sagen zu können. Da es sich um das Thema “Lebensübergänge” handeln wird, ist das Angebot in beiden Bereichen, dem Bereich Schreibschule und dem Zen-Bereich, also HIER, zu finden. Jürgen König wird die angedachten Termine schon einmal mutig auf die Webseite stellen.

Zur Zeit erkläre ich jeweils die letzte Woche eines Monats zur “verschärften Praxiswoche”. Wer Interesse daran hat, mit mir zu planen und zu sitzen: Herzlich willkommen. Es klappt so, wie es halt geht. Diese kleine, preiswerte Lösung macht mich extrem glücklich.

Die Zenlehrerin Nicole Baden, die das Dharma Sangha Zentrum im Schwarzwald leitet, hat es mir auch angetan. Einige Serien ihrer Vorträge (an der Herbst-Praxisperiode konnte ich leider nur sehr eingeschränkt teilnehmen, weil ich so engagiert mit meinen Seminaren war) sowie Serien der Vorträge ihres Lehrers Richard Baker, die Nicole meist übersetzt hat, habe ich ebenfalls mit großem Gewinn gehört. Dort einige Zeit zu verbringen, wäre das etwas für mich? so fragte ich mich. Richard Baker ist auch einer der Lehrer von Norman Fischer, und so fand ich ein besonderes Gefallen daran, über das berühmte Buch von Suzuki Roshi zu hören (“Zen-Mind – Beginners Mind”).
Auch im Akazienzendo Berlin, mit Bernd Bender, habe ich mich wohl gefühlt. Anfang Dezember 2022, erfuhr ich sehr plötzlich, dass David Loy dort einen Workshop halten würde. Ich hatte frei, also fuhr ich hin, und habe es nicht bereut. Müssen wir Buddhistinnen und Buddhisten nicht alle dazu lernen und “Eco-Sattvas” werden, das heißt, die Erde und ihre Geschöpfe so selbstverständlich mit in unsere Gebete (guten Wünsche), unsere Gelübde, unseren Praxisweg miteinzubeziehen? Sollten wir die Sutren und Lehrreden Buddhas nicht anfangen, historisch-kritisch zu lesen, wie ich an der Uni mit Literatur und später mit der Bibel auch gelernt habe? Sie durch die diversen Brillen der Aufklärung, des Feminismus, der Psychotherapie und Psychoanalyse, fortschrittlicher Herrschafts- und Kolonialismus-Kritik, Kapitalismus-Kritik zu lesen? Wie kann der Buddhismus wie für Dr. Ambedkar, den großen indischen Gelehrten und Begründer der indischen Verfassung, der für seine Sache und die Sache der Unberührbaren focht, das heißt für wirkliche Gleichberechtigung und Ächtung von Ausbeutung und der Gewalt von Armut, d.h. auch für Klimagerechtigkeit, neu und glaubwürdig interpretiert und gelebt werden?Wie kann die großartige emanzipatorische Kraft des Mahayana-Buddhismus so vermittelt und gelebt werden, dass sie mehr Menschen im Herzen bewegt und wirksam wird?

Ferner finde ich es auch wichtig – und das verdanke ich ganz entscheidend Bernie Glassman’s Lehre und Praxis -, über den Tellerrand, den Horizont unserer eigenen Religion, unserer Peergroup, unserer Nation und unserer Klassenzugehörigkeit zu schauen, aber auch, und das ist das schockierend Neue, über den Tellerrand der eigenen buddhistischen Komfortzone. Bernie kann man nicht Oberflächlichkeit, mangelnde Entscheidungsfreude oder Beliebigkeit vorwerfen, deshalb ist seine Vision so unerhört. Er findet durchaus, das es geboten ist, sich in einer spirituellen Richtung zu schulen und sachkundig zu machen, aber er findet nicht, dass das Zen sein muss! Und selbst wenn es Zen ist, sollten – so wünschte er es sich – seine Freundinnen und Freunde wirklich offen für andere buddhistische Traditionen sein und von ihnen lernen. Das war und ist neu für mich, und ich erlebe diese Freiheit wie frisches Wasser. Wenn ich mich so sprechen höre, denke ich, dass dieser ungewöhnliche Mensch, Lehrer, Freund, vielleicht doch mein wahrer Lehrer (gewesen) ist, zusammen mit dem Ort Auschwitz – gemeint im umfassendsten Sinne -, den Bernie seinen eigentlichen Lehrer nannte. Als ich Bernie danach fragte, antwortete er, dass er keine persönlichen Schüler*innen mehr habe. Dafür gäbe es zahlreiche andere begabte Lehrer*innen, die ich fragen könnte.
Diesem Lehrer, meinem Zenpeacemaker-Großvater, wie ich öfter zu sagen pflege. will ich noch einen eigenen Text widmen.

Rückblick auf die COVID-Zeit aus der Tempel-Sicht und ein wenig davor: eine Zeit, die kaum bzw, zu wenig dokumentiert wurde. Wir versuchen mit diesem Brief, Einiges nachzuholen und den Interessierten zugute kommen zu lassen.

2018-2023:
– 2018 Retreat in Holland with Roshi Joan, Upaya Zen Center
– Jan 2019: Zeugnis-Ablegen-Pilgrimage in Sicily/Kalabria: Wo kommen all die Toten hin? Den Internationalen Friedhof in Tarsia aufsuchen
– 2019 Mindfulness-Teacher-Training mit Christopher Titmuss (5 Tage). Ich stieg danach aus und bei Norman Fischer ein
2021-2022 SEBT (Socially Engaged Buddhism) im Upaya Zen Center. Zertifiziert von Joan Halifax roshi
Bis 2019 und danach ab und zu Praxisperioden (Januar, April, Zazenkais, Dharma-Seminare, Podcasts) im Upaya Center
Ab Mai 2019 Intensiv-Einstieg in everydayzen-Sangha bis April 2023.
Nov. 2019 VI. Auschwitz-Bearing-Witness-Retreat mit Barbara Salaam Roshi
2016-2021 Kleiner Tempel Bonn erlebt Blütezeit mit den sechs Studentinnen: Regelmäßiges Zazen morgens,
– Freitags oder Samstags, 7-10:30 Zazen;
Cappuccino-Meditation, systematische Arbeit im Council-Kreis, mit intuitivem Schreiben, nach den “Fall-Geschichten” aus dem Buch: “Das verborgene Licht – 100 Geschichten erwachter Frauen aus 2500 Jahren, betrachtet von (Zen-) Frauen heute”, hrsg. von Florence Caplow und Susan Moon;
– Sonntags, 20:30-21:00 Sitzen, “Tatort-Meditation – Den Schmerz in unseren Beziehungen heilen”, mit Übungen aus GfK (Gewaltfreier Kommunikation, Rollenspiel, Metta-Heilsätzen für uns selber/den Anderen)
-Sangha-Frühstück mit Zazen, Rückblick und Auswertung, Ausblick.
– Zen-Tag: 2mal
– “Mensch-Sein in unserer Stadt/in unserem Land”:
– Pilgertag zum Beueler Friedhof mit den Gräbern bedeutender Sinti- und Roma-Würdenträgern
26.8.2022: Tod der Mutter, Christiane Weissmann, geb. Strunk, *4.3.1929 in Landsberg/Warthe (poln. Vitnica)
2023 24.3.-2.4. Reise nach San Francisco
– Demonstrationen von Seawatch, Ostermarsch für Frieden, Sitzwache vor der Bonner Synagoge.
– Council-Training mit Luis für und mit Abdullah, Mehmet (dokumentiert)
– Regelmäßiger Kontakt (video-calls) mit syrisch-kurdischer Familie, Kiel
– Ausflug mit der “Christlich-jüdischen Gesellschaft für Zusammenarbeit Bonn” nach Ahrweiler

TIEF EMPFUNDENER DANK für Deine Spende oder sogar Spenden in den vergangenen Jahren.
Ohne Deine, Eure Großzügigkeit hätte ich meine eigene Großzügigkeit einschränken oder lassen müssen. Auch jetzt ist es wegen der Inflation noch sehr schwierig, meine Rechnungen pünktlich zu bezahlen.

Ich würde mich SEHR freuen, wenn Sie oder Du nicht nur die ehrenamtlichen Tätigkeiten, sondern auch die Events wie Pilgerfahrten, die Teilnahme an Zen-Sesshins (Trainings!), die Gebühren für zahlreiche Unterrichtsmaterialien wie Bücher, Vorträge, Reisekosten und nicht zuletzt die anteilige Miete plus Energiekosten für den Kleinen Zen Tempel durch eine großzügige Spende oder mehrere kleine unterstützen würdest. Da ich zunehmend schreibe und schreiben möchte, ist die Zeit zum Geldverdienen auch eingeschränkt. Von Bernie lernte ich auch dies, offen über Geldverhältnisse zu sprechen, wie über unsere spirituellen Anliegen und Beweggründe.

Bankverbindung: Sparkasse Köln/Bonn, IBAN: DE55 3705 0198 0032 9013 40
Paypal: m.winkelmann-schreiben@web.de

Von unserem Verehrten Lehrer Thich Nhat Hanh ist dieses Wort:
“Ich bin jetzt ganz für dich da, mein Schmerz,
und werde gut für dich sorgen.”

Mit inspirierenden Grüßen! Mögen wir auch den Schmerz anderer Wesen heilsam berühren!

Eure Monika