Liebe Wortkünstlerin, lieber Wortkünstler!

  1. Im weitesten Sinne besteht TS darin, alles zu schreiben, was der inneren Spur folgt, der „stärksten Energie“, die in uns lebendig ist. Entlang dieser Spur schreiben wir. Dabei werden wir immer geschickter und flexibler, das Schreibheft zu zücken, wenn wir auf etwas Kraftvolles stoßen bzw. gestoßen sind. Dass diese starken Energien nicht immer nur Freude, Enthusiasmus, , Einsichten schenken, liegt auf der Hand. Oft sind es die Stimmen unserer inneren „Kinder“, RichterInnen und Richter, unsere (oft frustrierten) Wünsche und Bedürfnisse, die sich lautstark melden oder eben nicht lautstark, sondern sich in Depression, Verwirrung, Trauer, Gereiztheit, Frustration ausdrücken. Dann ist es an uns, die Stimmungen, Störungen, Schmerzen zu spüren und zu benennen.
  2. Tägliche oder wöchentliche Schreibrituale können uns dabei helfen, diese Spürarbeit zu machen und dabei, neben guter Routine, eine Fülle von kreativen Schreibspielen, Schreibtechniken und -methoden anzuwenden.
  3. TS kann mit der Zeit unseren Schreibblockaden und Schreibhemmungen auf die Spur kommen. Es bringt die verstockten, trotzigen, verarmten Kinder in uns auf die Schliche und drängt uns, von depressiver Verstimmung auf produktive Handlung umzuschalten.
  4. Wo alles IN uns oder außen auseinander fällt, Trennendes und Entfremdung überwiegen, fügt das heilende Schreiben wieder zusammen bzw. trennt ggf. bewusst, was getrennt werden muss.

Wie wir beginnen:

  1. Prozessbegleitendes Schreiben, nah an den Gefühlen. Nach Zeit. So ein Schreiben, mit möglichst wenig oder keinen formalen Vorgaben, steht immer am Anfang eines Schreibweges. Die Schreibende lernt sich und das Schreiben sowie mich und meine Leitungsmethode kennen und fasst Vertrauen (ich gehe von dem besten Fall aus).
  2. Schreiben braucht eine Begrenzung. Oft wird diese Begrenzung durch formale Vorgaben gegeben, d.h. die Schreibende hat ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie einen Bericht oder eine Kurzgeschichte, ein gereimtes oder modernes Gedicht, ein Wort-Elfchen oder einen Aphorismus auf dem Papier stehen hat. – Kreatives Schreiben nach Lutz von Werder macht das anders: Hier wird die Grenze durch die Angabe von Zeit, in der der Text geschrieben wird, gesetzt. Oft sind es bei mir 3, 5 oder 7 Minuten. Auf diese Weise entsteht ein leichter Druck, der das Kontrollbedürfnis enttäuscht und uns zur Hingabe zwingt. Diese stetige Übung, das, was wir ausdrücken möchten, in so kurzer Zeit auszudrücken, trainiert unsere expressive Kraft, unser Selbstvertrauen, unsere Flexibilität, unseren Mut, und damit unsere Kreativität. 

Doch das Entscheidende ist wohl, dass Du geübt hast, das Kränkende, Leidvolle, das, was uns in unserer Kindheit und Jugend, da wir noch abhängig waren, oft nicht zugestanden wurde, ohne Umschweife das Eigentliche zur Sprache zu bringen, und dann noch schriftlich. Das Schriftliche bedeutet für uns auch Festlegung, Zeugnis, Beglaubigung. Etwas, dass Schwarz auf Weiß da steht, kann nicht mehr so leicht weggedichtet, umgedeutet werden, und: Es kann gelesen und vervielfältigt werden. Angreifbar werden wir allerdings auch.
  3. Du hast Dich – im Verlauf meiner Gruppen – an den Gedanken gewöhnt, dass Du Deine Texte gleich vorlesen würdest. Das ist eine große Leistung. Beim ersten Mal erfüllt uns diese Idee mit Schaudern. Das heißt, wir gewöhnen uns AUCH – als Zeuginnen und Zeugen – an ein uneigennütziges und wertschätzendes Zuhören.
  4. Wir haben geübt, auf unser „Inneres Kind“ zu hören und es sprechen zu lassen. Diese Übung braucht Zeit und Geduld, weil dieses Kind, das oft eingeschüchtert wurde und verstummt war oder ist, erst hervorgelockt werden muss und wir feststellen, dass wir es manchmal gar nicht wirklich anhören wollen. 

Wir üben: DIALOGE mit dem Inneren Kind, der Inneren Jugendlichen. Überraschend kann sein, dass dieses Kind oft gar keinen Platz von uns bekommt oder mit der Stimme einer erwachsenen Person spricht. Wenn wir das bemerken oder ein anderer aus der Gruppe es bemerkt und anspricht, dann können wir sicher sein, dass wir vielleicht bei dem parentifizierten „Kind“ angekommen sind, dem belasteten, das viel zu früh Verantwortung übernehmen musste. Aber noch lange nicht bei dem „Kind“ als Kind. 

Helfen kann und wird es dann, das „Kind“ mit der nicht-dominanten Hand schreiben zu lassen. Schreiben mit der nicht-dominanten Hand hilft, uns zu verlangsamen, während wir uns der Zeit des Schreibenlernens annähern, d.h. als wir zwischen 4 und 7 Jahren alt waren. Ungelenk malen wir die Buchstaben und sind mit der Gefühls- und Denkwelt damals unmittelbar verbunden.
  5. Dialoge sind nichts anderes als verkürzte BRIEFE, und diese sind Methode Nr. 1 beim TS. Warum? Sie klären immer die Beziehung, die auf irgendeine Weise ins Stocken gekommen ist, d.h.
die Beziehung
- zu mir
- zum Du
- zu Autoritätspersonen, deren Verhalten mich verletzt oder sogar traumatisiert hatte
- zu geliebten Freundinnen und Freunden, Partnern und Partnerinnen
- zu den Eltern
- zu Kindern
- zu Gott, Hitler…(Hitler als Beispiel: Er ist schon oft Adressat in der „Dialog – und Schreibwerkstatt für Kriegskinder und deren Nachkommen“ gewesen
  6. Wir schreiben also ungeschminkt an die Person, deren Zuschreibungen wir uns oft zu eigen gemacht haben, welche immer noch unser Verhalten, unsere Ansicht über uns selber bestimmen, kontrollieren wollen.

Für jetzt und heute möge das reichen.

Es gibt noch Vieles, was ich mit Euch teilen möchte. Wahre Schätze…

Nächste Woche beginnt übrigens eine schreib- und gruppentherapeutische Werkstatt, immer Donnerstags, von 10-13 Uhr, bei mir im Kleinen Zen Tempel Bonn-Kessenich, Eduard-Otto-Str. 4. (zu den Bahnen Linien 61 und 62 zwei Minuten, im IV. Stock, ohne Fahrstuhl! Man/Frau kommt persönlich oder hybrid dazu.)

Diese Gruppe ist als fortlaufende Veranstaltung gedacht und wird immer in 7-er Paketen angeboten, 14-tägig. Mit Hausaufgaben.

https://www.winkelmann-seminare.de/pec-events/schreib-und-gruppentherapeutisches-angebot-was-traegt-wenn-nichts-mehr-traegt/1694080800/

Bei großem Interesse kann auch eine Abendgruppe eingerichtet werden, möglicherweise auch am Donnerstag: Bitte melde Deine Wunschtermine und Wunschzeiten an! Danke!

Mögen wir zusammen lernen und üben, wie wir Stroh zu Gold spinnen können!

Von ganzem Herzen,

Monika