Blog

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar

von | 12. Feb 2019 | 0 Kommentare

Und das glaube ich genau nicht mehr. Es ist nur so, dass wir entweder gar nicht genau hinschauen oder unsere Augen auf Kontrolle eingestellt haben.

Meines Erachtens haben wir noch nicht verstanden, dass auch unsere Sinne entweder im Dienste des Lebens, der Begegnung, eingesetzt werden können oder der Starre, dem Tod dienen. Was will ich damit sagen?

Wir kennen doch beides: Gar nicht genau hinschauen bedeutet flüchtiges Darüber-hinweg-Huschen, die Oberfläche scannen. Der Reflex ‚interessant zum Verweilen‘ oder ‚uninteressant‘ setzt ein und trifft meine Entscheidung.

Mit kontrollierendem Sehen meine ich fast ein Starren, mit unbeweglichem Kopf, Augapfel und Herzen. Diese Haltung hat sicherlich im vergangenen Jahrzehnt zugenommen: Wir starren auf unsere diversen Roboter, auf den Fernseher, auf das Navi, die Anzeigetafeln – und vielleicht starren wir einfach weiter, auch beim Spazierengehen, und zählen den Unrat auf den Bürgersteigen und die ausgefallenen Züge.
Es handelt sich hier um ein Sehen, das festhalten will und das Halten verlernt hat. Das ergreifen will, statt zu empfangen und zu begreifen. Ein Sehen, das zum Schauen wird, zum Kontemplieren. Zur Seh-Meditation. Kennen und können wir das noch, wollen wir es kultivieren?

Ich finde, dass täglich und wöchentlich eine gewisse freiwillig gesetzte Zeit des Inne-Werdens, des Nach-innen-Schauens, auch bei halb geöffneten Augen, auch in diesem Sinne erholsam und segensreich ist. Es sind die Augen und Ohren des Mystikers, der Mystikerin, die sich wieder öffnen, in den grenzenlosen Raum hinein. Wenn wir von dort staunend und genährt zurückkehren, sind unsere Sinne durchblutet und geerdet.

Die nächste sich darbietende Begegnung kann nicht anders als wunderbar sein.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr Artikel

Warum Meditation so ungemütlich ist

Warum Meditation so ungemütlich ist

Blog Warum Meditation so ungemütlich ist - Ich staune immer wieder, welch' großer Widerstand mir von Manchen entgegen kommt, wenn ich auch nur zu 5 Minuten Meditation oder zu einer Stille-Übung einlade, oft vor dem Schreiben in der Gruppe. Das heißt, ich verwende...

Schreiben ist doppelt leben

Schreiben ist doppelt leben

Blog Wenn ich es richtig erinnere, stammt dieses Zitat, diese Beobachtung, von der Dichterin Rose Ausländer. Obwohl ich schon oft darüber nachgedacht habe, bin ich stets aufs Neue berührt. Schreiben ist doppelt leben. Was bedeutet das, und was bedeutet es mir? Ich...

Hallo! Frohes Neues!

Hallo! Frohes Neues!

Blog In vielen Zeitungen konnten wir lesen oder im Radio hören, wie Menschen sich lustig machten über unsere Neigung, Vorsätze zu fassen. Hallo! Frohes Neues! Im Zeitalter der Optimierung des Körpers, der Lebenserwartung und des besten "Schnäppchens" wundert mich das....

Kreatives und therapeutisches Schreiben lernen
Meditation, interreligiös und interkulturell

Impressum

Datenschutz

Kontakt