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Karawanen des Mitgefühls

von | 16. Jul 2019 | 0 Kommentare

Gerade, als ich im Internet auf meiner Seite landete und mich öffnete für DEN entscheidenden Schreibimpuls heute: sah ich sie, die Karawanen des Mitgefühls.

Nichts braucht die Welt, brauchen wir selber, wenn wir am Boden liegen, mehr als diese Medizin.
Was ich sehe, sind diese sanft und scheinbar träge sich wiegenden Kamele, eins hinter dem anderen, mit einem oder zwei Menschen auf ihnen sitzend, in bunte Tücher und einen Turban gewickelt. Manche sind gerade abgestiegen, vertreten sich die Beine, halten ihr Tier am Strick. So langsam geht die Karawane, dass Menschen mit ihnen Schritt halten können. Langsam genug, um Kraft in der flirrenden Hitze zu sparen, um ausdauernd zu bleiben. Die Wasservorräte müssen ausreichen bis zur nächsten Oase. Manchmal halten alle an, und ein starker Tee wir aufgegossen, mit frischer Minze, schwarzem Tee und viel Zucker.

Wüsten durchschreiten wir alle. Immer mal wieder oder jetzt gerade, eine längere, nach dem Tod eines Freundes oder einer Trennung oder einem Verrat. Wir haben nur begrenzte Ressourcen, die bald zu Ende sein könnten. Wir fühlen uns untröstlich, können vielleicht gar nicht mehr weinen, sind leer und fühlen uns einsam. Als Kollektiv befinden wir uns möglicherweise in einer Wüste, je nach politischem Standpunkt und persönlichem Hintergrund. Gibt es eine Wüste moralischer Werte? Eine Wüste der Kaltherzigkeit? 
Manche gebrauchen solche Metaphern. Junge Menschen, aber auch ältere, alte lassen sich bewegen, und unterstützen die ganz jungen Klimaschützer*innen, die etwas älteren, die die ausgestorbenen und aussterbenden Arten als Vorläufer für unser langsames Aussterben als Mensch sehen. Kinder werden in Käfige gesteckt, und nicht einmal umarmt dürfen sie werden. Manche reagieren scheinbar gar nicht, sie fühlten sich moralisch taub, apathisch. Während andere hochsensibel auf die „Sünden“ reagieren, die wir als Menschen der Erde antun. 
Mir gefällt das Bild der Karawane. Ich möchte Teil von ihr sein. Möchte so langsam mit ihr ziehen, dass ich auch beim Älterwerden noch Schritt halten kann – zusammen mit den ganz Jungen. Möchte durch die öden Landschaften und trockenen Länder ziehen, ihre Schönheit sehen, Tee und Wasser teilen und getrocknete Früchte, bis wir wieder in einer Oase sind. Ich möchte gerne mit anderen eine Oase sein, in der die Kamele und wir Ziehenden sich ausruhen dürfen und alle genug zum Trinken und Waschen haben.
Ein Brunnen für alle. Eine Karawane, mit der jedeR mitlaufen kann. 
Wir nähren die Karawane des Mitgefühls überall, wo wir sind.

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