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Der rechte Umgang mit dem Dharma

von | 29. Okt 2019 | 0 Kommentare

Mich würde einmal interessieren, wie meine lieben Leserinnen und Leser zu dieser Frage stehen. Der rechte Umgang mit dem Dharma.

Möchtet Ihr eher die kostbaren unerschöpflichen Lehrreden Buddhas, vielleicht in einem Punkt vertieft, hören bzw. lesen? Oder seid Ihr daran interessiert zu lesen, wie ich in diesem Fall, den Dharma lebe und umforme, zu etwas Eigenem?
Diese Frage bewegt mich immer wieder: Inwieweit sind Buddhisten dem verpflichtet, was und wie sie gelernt haben, und damit auch von wem, oder ist es ihnen freigestellt, die Lehre selber auszulegen?
Als Germanistin und eine, die ein paar Sprachen gelernt hat, neige ich zu Letzterem, wie man unschwer lesen konnte. Weil die Forschung zeigt, dass jeder Text, auch die Bibel, auch die Sutren, auch andere „Heilige Texte“ von Menschen aus ihrer Zeit rezipiert und weitergeben wurden. Übrigens anfangs meist oral, d.h. man lernte auswendig und gab weiter. Regionale Unterschiede wird es gegeben haben, kulturell spezifische Aneignungen ebenfalls, und die notwendigen Übersetzungen in andere Sprachen taten ein Übriges, damit sich oft hartnäckige Fehler Jahrhunderte lang halten konnten.

 

Menschen sind nie neutral, Textrezeption ist immer subjektiv, sonst würde es nicht sehr unterschiedliche und oft gute Übersetzungen von denselben Gedichten, Gebeten geben. Können wir das für die Lehrreden auch akzeptieren oder fürchten wir, dass der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet wird?
Gerade in den letzten Monaten las ich einige Bücher, die Buddha in seinem Zeitgeist zeigen und den Kontext deutlich machen. Damit sich selber und andere ermutigend, zu anderen Schlüssen, anderen Übersetzungen zu kommen, als lange rezitiert, praktiziert. Dass dies auch problematische Seiten hat, liegt auf der Hand.
So wie die Bibel gegen den Strich gelesen wurde, von Historikern*innen, Philosophen*innen, Feministen*innen, so werden auch die Lehrreden einer Kritik unterzogen. Wer „darf“ das tun? Wer urteilt darüber, wer das tun darf? Ich meine, es tut uns gut, nicht mehr zeitgemäße Metaphern deutlich zu hinterfragen, wo zum Beispiel eine gendergerechte Sprache konsequent vermieden wird. Wo Metaphern von dem menschlichen Körper als Hautsäcke verunglimpft werden, die körperliche Liebe als widerwärtig präsentiert, besonders der weibliche Körper, ganz wie im Christentum, als Hort des Elends dargestellt wird. Wo Familien, Kinder überhaupt nicht oder kaum vorkommen, meist werden diese verlassen.
Doch es gibt auch subtilere Themen wie Erleuchtung, Erwachen: Gibt es das eigentlich, dauerhaft? Ich habe sehr unterschiedliche Theorien dazu gehört. Ist es immer „nur“ die innere Arbeit, die dazu qualifiziert, „Gutes“ im Außen zu tun? Ich kenne einen Zen-Meister, der das Gegenteil behauptet: Der Grad unserer Erleuchtung würde sich daran messen, wie hilfreich wir für Andere seien. Und überhaupt: Erleuchtet seien wir schon immer, von Natur aus, wir dürfen das nur wieder erkennen und das, was uns hindert, Erleuchtung zu manifestieren, einfach lassen.
Im Übrigen habe ich zum Beispiel von dem großen indischen Buddhisten Dr. Ambedkar gehört, der als Basis des Buddhismus die revolutionäre Ansicht sieht, dass alle Menschen gleich seien. Ambedkar, ein hochrangiger Gelehrter, Jurist, Politiker legte sich mit Gandhi an! Es gibt so viel Diversität, so viel zu entdecken, mögen wir tolerant sein und geduldig, vor allem auch mit uns selber, all unsere Tage!

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