Immer wieder erstaunt es mich, wie sich die „Drei Grundsätze“ der Zen Peacemaker, wie sie Bernie Glassman Roshi niedergelegt hat, auch auf die Künste anwenden lassen, hier: auf das Schreiben.

Indem ich übe, das zu schreiben, was aktuell in mir lebendig ist, kommt der erste Grundsatz zur Anwendung: „Nichtwissen. Ich lege meine Vorurteile und Annahmen zur Seite.“ Nur ein Mensch, der nichts weiß, ist offen für komplett Neues. So, wie jeder Tag ein Neubeginn ist und sein kann, genauso fließt der jeweilig neue Text, im besten Fall ungehindert, neu und frisch auf die weiße Seite des Hefts, des Laptops. Ich bezeuge den Moment, bezeuge das, was geschrieben und vor allem, was beschrieben wird. Da Schreiben den Denkprozess verlangsamt, ist es so heilsam.Der zweite Grundsatz heißt: „Zeugnis ablegen. Ich lege Zeugnis ab von dem Leid und der Freude in dieser Welt.“ Ich weiß, dass beides untrennbar zusammengehört.

Und der dritte Grundsatz heißt: „Mitfühlendes Handeln. Damit sind Handlungen gemeint, die aus dem ersten und zweiten Grundsatz erwachsen.“
Stilles Sitzen, stilles Gehen, intuitives Schreiben unterstützen uns dabei, das notwendige Gewahrsein zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Mindern wir Leid, wenn wir diese Praktiken zusammen mit Übungen des Geistestrainings anwenden? Ich glaube, ja. Die beschriebene Langsamkeit lässt uns sehen, was ist, in uns und in anderen, in der Welt, und Frieden schließen damit. Wir setzen einen Fuß vor den anderen, nehmen Atemzug um Atemzug, schreiben Wort für Wort.

Was heißt das in Bezug auf den Krieg? Was kann es heißen? Wir sind offen für Trauer und andere schwer auszuhaltende Gefühle, in uns und in anderen. Wir sind skeptisch gegenüber jeglichem Schwarz-Weiß-Denken. Es scheint zu helfen, die Welt zu ordnen, faktisch wird es der Komplexität des Lebens nie gerecht. Skepsis ist gegenüber den meisten schnellen Lösungen angebracht. Oft gibt es keine Lösung, nur ein Bezeugen dessen, was ist. Und mitfühlendes Handeln ist immer nötig, immer möglich.

 

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