Zentrum für Dialog und Gebet Auschwitz:
https://cdim.pl/de/
Dokumentation über Manfred Deselaers und das Zentrum für Dialog und Gebet Auschwitz:
https://www.youtube.com/watch?v=k1YTlRMgBKs
Rudolf Höß – Das Gesicht des Grauens:
https://www.youtube.com/watch?v=rZR23LOMAT8
Kreuzwegmeditation von Manfred Deselaers
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“
Kreuzwegmeditation in Auschwitz-Birkenau
Einführung
Die folgenden Meditationen knüpfen an die Tradition des Kreuzweges in der polnischen Kirchengemeinde von Brzezinka an. Durch sie wollen wir derer gedenken, die hier in Auschwitz-Birkenau von der deutschen Besatzung ermordet wurden.
Glauben in Auschwitz ist immer auch ein Ringen um den Glauben. Unser Glaube an Gott wird hier zu einer Suche nach Gott, die ununterbrochen auf die Frage stößt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Anders ist in Auschwitz Beten gar nicht möglich. Diese Kreuzweg-Meditation wollen wir daher als unser Ringen um Gott – und um den Menschen – begreifen. Leere Phrasen würden hier zu einer Beleidigung der Opfer.
Wenn wir in Auschwitz-Birkenau den Kreuzweg gehen, gehen wir geistlich einen doppelten Weg: wir gehen mit den Menschen, die hier litten und starben. Und wir gehen den Weg des Leidens und Sterbens Jesu Christi mit, glaubend, dass Christus den Weg der Menschen hier mitgegangen ist. Er führt uns den Weg zu den Opfern, in die Solidarität mit ihnen, denn alleine würden wir wahrscheinlich davonlaufen.
Die Kreuzwegstationen sind jeweils folgendermaßen aufgebaut: Auf ein Bibelzitat folgen eine Erinnerung an die Lagerwirklichkeit, dann einige Gedanken dazu und ein Gebet.
1. Station
Jesus wird zum Tode verurteilt
„Als sie in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: «Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen.» Da wurden sie sehr traurig“ (Mt 17, 22).
Lagererinnerungen:
Das Konzentrationslager Auschwitz wurde im Juni 1940 gegründet, anfangs für polnische, dann auch für sowjetische Kriegsgefangene. Ab 1942 wurde dieses Lager zum Ort der fabrikmäßigen Menschenmassenvernichtung, vor allem der Juden. Ungefähr 1 Million Juden, 75.000 Polen, 21.000 Sinti und Roma, 15.000 sowjetischeKriegsgefangene und Andere wurden hier ermordet. Wer in Auschwitz ankam, wusste in der Regel nicht, was ihn erwartete. Vielfach bezeugt sind die Begrüßungsworte des Lagerführers Fritsch: „Ihr seid hier nicht in ein Sanatorium gekommen, sondern in ein deutsches Konzentrationslager, aus dem es keinen anderen Ausweg gibt als durch den Schornstein des Krematoriums!”1
Meditation:
Beten wir für alle, die zum Tode verurteilt sind, die ausgestoßen werden aus der Gesellschaft, die niemand mehr haben will, die ganz einfach „weg” sollen. Beten wir für alle, die damit leben müssen, dass ihnen alle Träume ihres Lebens zerstört werden, weil die politische Situation oder die gesellschaftlichen Umstände sie ihrer Lebensmöglichkeiten berauben, wie in den heutigen Kriegsgebieten, wie in den Hungergebieten der Welt.
Gebet:
Herr Jesus Christus, Du hast gesagt: „Was Ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan” (Mt 25, 40). „Was Ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt Ihr auch mir nicht getan” (Mt 25, 45). Hilf uns, diese Worte immer tiefer zu begreifen.
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
„Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt“ (Joh 19, 17).
Lagererinnerungen:
Tadeusz Borowski war als Häftling in einem Kommando, das beim Ankommen der Transporte mit Gefangenen auf der Rampe Gepäck zu sortieren hatte. Er beschreibt die Situation nach dem Krieg in einer seiner Kurzgeschichten:
„Auf der Rampe wird es immer lebendiger. Vorarbeiter teilen die Leute ein. […] Mit lautem Gebrumm fahren Motorräder vor, immer mehr SS-Unteroffiziere springen ab. […] Zuerst begrüßen sie sich mit der stolzen römischen Geste der erhobenen Rechten, aber gleich danach schütteln sie sich herzlich die Hände, lächeln sich an, erzählen sich die letzten Neuigkeiten, berichten von zuhause […]. «Der Transport kommt!» sagte jemand, und alle Hälse reckten sich. Aus der Kurve krochen Güterwagen heran, der Zug fuhr rückwärts ein. […] Hinter den kleinen, vergitterten Fenstern sahen wir Gesichter, blass, zerknittert und übernächtigt sahen sie aus, die zerzausten, erschrockenen Frauen, die Männer […] Plötzlich fing es an, drinnen in den Waggons zu kochen. Hohle Schläge trommelten gegen die Wände. «Wasser! Luft!» Verzweifelte Rufe, Geschrei, das Hämmern der Fäuste. […] «Also los! An die Arbeit!» Die Riegel knarrten, die Waggons wurden geöffnet. Eine Welle frischer Luft drang hinein, schlug den Menschen entgegen und warf sie fast um. Sie waren unendlich erschlagen, beinahe zerdrückt von der schweren Last der Koffer, Päckchen, Pakete, Ranzen und Bündel, Rucksäcke und Taschen jeder Art, denn sie brachten alles mit, was ihr früheres Leben bedeutete und ein neues Leben bedeuten sollte.”2
Meditation:
Wir wollen unseren Blick zu denen wenden, die anderen das Kreuz auferlegt haben, den Tätern. Mit das Erschütterndste an Auschwitz ist, zu begreifen, wie „normal” sie oft waren. Nur ganz wenige waren völlig abnorm. Wozu also ist eine normale menschliche Person fähig?
Gebet:
Beten wir für die Täter, für die von damals und für die von heute, für alle, die andere Menschen mit dem Kreuz ihres Egoismus, ihrer Hartherzigkeit und Ungerechtigkeit beladen. Beten wir für uns selbst. Wie schnell sind wir dabei, Menschen, die wir für schwierig halten, einfach weg haben zu wollen aus unserer Welt; wie schnell ist für uns jemand „gestorben”. Wie gleichgültig sind wir den Opfern der Welt gegenüber. Schenke uns, Herr, die Gnade der Umkehr. Herr erbarme Dich!
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
„Ich bin gekrümmt und tief gebeugt,
den ganzen Tag geh ich traurig einher.
Mein Herz pocht heftig, mich hat die Kraft verlassen,
geschwunden ist mir das Licht der Augen.
Freunde und Gefährten bleiben mir fern in meinem Unglück,
und meine Nächsten meiden mich.
Die mir nach dem Leben trachten, legen mir Schlingen;
die mein Unheil suchen, planen Verderben,
den ganzen Tag haben sie Arglist im Sinn“ (Ps 38, 7. 11–13).
Lagererinnerungen:
In der Kurzgeschichte von Tadeusz Borowski spricht ein Häftling, todmüde von der Arbeit und den grauenhaften Erlebnissen an der Rampe, mit seinem Freund:
„«Du Henri, ob wir gute Menschen sind?» – «Warum fragst Du so dumm?» – «Siehst Du, Freund, in mir kocht eine vollkommen unverständliche Wut auf diese Menschen, weil ich ihretwegen da sein muss. Es tut mir gar nicht leid, dass sie vergast werden. Möge die Erde sich öffnen und sie alle verschlingen! Ich könnte auf sie los gehen, auf alle! Wahrscheinlich ist das pathologisch, ich verstehe es nicht.» – «Nein, ganz im Gegenteil! Das ist normal, vorgesehen und im Voraus einkalkuliert»“3.
Meditation:
Jesus fällt unter dem Kreuz. In Auschwitz sind viele unter dem Gewicht des Kreuzes gefallen, das ihnen hier zugemutet wurde. Das Schlimmste war nicht einmal das physische Leid, sondern das menschliche Scheitern. Oft war die Rivalität unter den Häftlingen im Kampf ums Überleben so groß, dass es sehr schwer war, solidarisch zu bleiben. Eine Überlebende hat gesagt: „Um bei dem Hunger ein Stück Brot zu teilen, musste man ein Heiliger sein. Das war schwerer, als in die Gaskammer zu gehen. Aber solche Menschen gab es“4.
Gebet:
Wir beten für alle, die unter den Erfahrungen dieser Hölle auch moralisch zusammengebrochen sind, die begonnen haben, auf Kosten der anderen nur noch sich selbst zu sehen, die nicht genug Kraft und Glauben hatten, um menschlich zu bleiben. Vergib ihnen, Herr, und vergib auch uns, wenn wir versagen und das Vertrauen auf Dich verlieren.
4. Station
Jesus begegnet seiner Mutter
„Ihr alle, die Ihr des Weges zieht, schaut doch, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz, den man mir angetan, mit dem der Herr mich geschlagen hat am Tag seines glühenden Zornes. […] Wie soll ich Dir zureden, was Dir gleichsetzen, Du Tochter Jerusalem? Womit kann ich dich vergleichen, wie Dich trösten, Jungfrau, Tochter Zion? Dein Zusammenbruch ist groß wie das Meer, wer kann dich heilen?“ (Klgl 1, 12; 2, 13).
Lagererinnerungen:
Links vom Haupttor in Auschwitz II erstreckte sich ab 1942 das Lager für die Frauen verschiedener Nationalitäten. Bis Mai 1943 wurden alle im Lager geborenen Kinder auf grausame Weise ermordet: man ertränkte sie meistens in einem Fass.
Meditation:
Eine Polin, Elżbieta Piotrowska, hat ihr Gedicht ‚Das Verhör‘ überschrieben:
„– Wer hat Euch Kinder ermordet?
– Menschen!
– Was für Menschen waren das? Haben sie Gesichter von Gespenstern gehabt? Haben sie tierische Augen gehabt?
– Das waren gewöhnliche Menschen, Menschen wie andere, mit menschlichen Augen und Zähnen.
– Vielleicht hat sie ein Vulkan geboren? Vielleicht haben sie keine Mütter gehabt?
– Menschliche Mütter haben diese Menschen geboren.
– Haben sie keine Kinder gehabt?
– Ja, sie haben. Sie haben an sie Briefe geschrieben. Sie haben an sie kleine Schuhe in Paketen geschickt.
– Wie haben die Menschen Euch getötet?
– Sie haben mit Gas erstickt, ins Feuer gesteckt, an der Mauer zerschlagen, mit dem Schuh zertreten; und wenn sie gut waren, erschossen sie.
– Und als sie Euch getötet hatten, was haben sie dann gemacht?
– Sie haben sich mit weißen Tüchern den Schweiß von der Stirn gewischt und gesagt: «Haben wir heute viel gearbeitet! Die Arbeit war anstrengend. So viele kleine Kinder!»“5.
Gebet:
Herr, wir beten für die Kinder auf der ganzen Welt, für die ungeborenen und die geborenen, für die Kriegswaisen, für die Kinder, die durch traumatische Erlebnisse für ihr ganzes Leben gezeichnet sind. Sei ihnen nahe, lass sie nicht im Stich. Hilf uns, eine kindergerechte Welt zu bauen. Und die ermordeten Kinder nimm an Dein Herz!
5. Station
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
„Einer trage des anderen Last. So werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6, 2).
Lagererinnerungen:
Hinter dem Frauenabschnitt in Birkenau befand sich das Gebäude für Gaskammer und Krematorium Nr. II. Heute sind nur noch Ruinen erhalten, da die SS vor dem Verlassen des Lagers das Objekt in die Luft gesprengt hat. Bis zu 2000 Menschen wurden in die Gaskammern gepresst und mit Zyklon-B erstickt. Die Toten standen aufrecht aneinander gepresst in den Kammern. Sie drückten sich, im Tode verkrampft, noch die Hände, so dass die Arbeitskommandos Mühe hatten, sie auseinanderzureißen.
Meditation:
Die große Mehrzahl der hier vergasten Menschen waren Juden. An dieser Stelle wollen wir besonders an das jüdische Volk denken. Es ehren. Die Aufforderung, einer des anderen Last zu tragen, wurde im Hinblick auf das jüdische Volk häufig nicht erfüllt. Zu oft geschah das Gegenteil. Wir wollen uns zu unserer Schuldgeschichte bekennen. Die meisten Christen haben nicht einmal gemerkt, dass jede Figur des Gekreuzigten, jede Marienstatue den Judenstern hätte tragen müssen. Nach der damaligen Rassenideologie hätten Jesus, Maria und alle Apostel hier vergast werden müssen.
Das Gedicht ‚Juden‘ von Stanisława Grabska:
„Jesus war auchein verachteter «Jud»
ein Chassid aus Galiläa oder aus Galizien.
Die, die regiert im Kloster von Tschenstochau
war auch «eine Jüdische»
ihr ganzes arbeitsames Leben lang.
Wären nicht beide ins Gas gegangen
mit ihrem Volk
in jenen schrecklichen Zeiten?“6.
Gebet:
Herr, im Tod werden wir alle gleich. Lass uns tiefer begreifen, dass wir auch im Leben Schwestern und Brüder sind, dass wir alle Grenzen, die Weltanschauungen, Religionen und Konfessionen, Nationalitäten und politische Auffassungen zwischen uns aufbauen, überwinden müssen. Hilf uns zu erkennen, dass wir berufen sind, einer des anderen Last zu tragen.
6. Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
„Leg mich wie ein Siegel auf Dein Herz, wie ein Siegel an Deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe…“ (Hld 8, 6).
Lagererinnerungen:
An dem Mahnmal, das am Ende der Rampe 1967 errichtet wurde, befinden sich Gedenktafeln, die mit den Sprachen beschriftet sind, die von den Opfern in Auschwitz gesprochen wurden: Ladino, ukrainisch, serbisch, slowakisch, rumänisch, romanes, russisch, polnisch, norwegisch, niederländisch, ungarisch, jiddisch, italienisch, kroatisch, hebräisch, griechisch, französisch, deutsch, tschechisch, weißrussisch, slowenisch und englisch.
Frau Zofia Pohorecka war als zwanzigjährige junge Frau im Frauenlager in Birkenau eingesperrt. Sie hat oft erzählt, dass sie nur deshalb überlebte, weil Freundinnen sich unter Lebensgefahr um sie gekümmert hatten, als sie schwer krank gewesen war. Sie bezeugte auch, wie sehr Freundschaft und Liebe, wie sehr Zärtlichkeit stark machen kann.
Meditation:
In dieser schrecklichen Umgebung von Leiden, Elend und menschlicher Erniedrigung gab es auch Gesten von Güte, die in jener Umgebung zu heroischen Taten wurden. Lasst uns von ihnen lernen, uns mit dem Bösen, mit der Sünde nicht abzufinden. Es gibt keine Umgebung, die uns grundsätzlich von dem Auftrag befreien würde, das Böse zu vermindern und Leidenden zu helfen.
Gebet:
Heiliger Gott, Veronika hat Jesus in seinem Schmerz ihre Zuwendung geschenkt. Hilf uns, auch in gewalttätiger Umgebung die Fähigkeit zu einfühlsamer Liebe nicht zu verlieren.
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
„Das alles ist über uns gekommen,
und doch haben wir Dich nicht vergessen,
uns von Deinem Bund nicht treulos abgewandt.
Unser Herz ist nicht von Dir gewichen,
noch hat unser Schritt Deinen Pfad verlassen.
Nein, um Deinetwillen werden wir getötet Tag für Tag,
behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.
Wach auf! Warum schläfst Du, Herr?
Erwache, verstoß uns nicht für immer!
Warum verbirgst Du Dein Gesicht,
vergisst unsere Not und Bedrängnis?
Unsere Seele ist in den Staub hinab gebeugt,
unsere Seele liegt am Boden.
Steh auf und hilf uns!
In Deiner Huld erlöse uns!“ (Ps 44, 17–18. 22–26).
Lagererinnerungen:
Auch hier, in Gaskammer und Krematorium III, wurden bis zu 2000 Menschen auf einen Schlag mit Zyklon B erstickt. Zahnärzte öffneten mit Haken die Münder der Leichen und brachen mit Zangen die Goldkronen aus den Kiefern. Es sah wirklich so aus, als würde das menschliche Verbrechen seinen absoluten Triumph über Gott feiern. Wir wissen, dass für viele Menschen das „Schweigen Gottes” in jener Zeit nicht zu ertragen war. Vielleicht gilt das besonders für die Juden, für die es ein doppeltes Zerbrechen des Bundes oder ein doppeltes Ende der Welt war, der irdischen und der himmlischen. Aber dieser Ort tiefster Erniedrigung war doch auch ein Ort des unbesiegten Glaubens, des Gebetes. Aus den Gaskammern hörte man jüdische Psalmengesänge. Und auch in der Todeszelle von Maximilian Kolbe konnte man Gebete hören.
Meditation:
Es ist nicht gelungen, den Glauben an den Gott, der Liebe ist, endgültig zu vernichten. Ein halbes Jahrhundert später, im Sommer 1992, beteten hier gemeinsam amerikanische Rabbiner und polnische Bischöfe. Es erklangen die Worte des jüdischen Kaddisch-Gebetes:
Gebet:
„Gepriesen und gelobt, verherrlicht und erhoben, erhöht und gefeiert, hoch erhoben und bejubelt werde der Name des HEILIGEN, gelobt sei er, obwohl er erhoben ist über allen Preis und Gesang, Lob und Lied, Huldigung und Trost, die in der Welt gesprochen werden … und das Gedenken an die Ermordeten wird ein Segen und ein Zeichen des Friedens für alle sein“7.
8. Station
Jesus tröstet die weinenden Frauen
„Es folgte Jesus eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: «Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder!»“ (Lk 23, 27–28).
Lagererinnerungen:
Im Wald hinter dem Lager Auschwitz II wurden zwei Häuser von ausgesiedelten Polen zu Gaskammern umgebaut. Eines von ihnen nannte man „Weißes Häuschen” oder „Bunker II”. In der Nähe befanden sich zwei Baracken, in denen sich die Menschen vor dem Eintritt in die Gaskammern ausziehen mussten. Nicht weit von den Baracken entfernt wurden die Leichen in vier großen Gruben im Freien verbrannt. Hierhin wurden im Sommer 1942 aus Holland die Katholiken jüdischer Abstammung gebracht, unter denen sich die Karmelitin Edith Stein, Schwester Theresa Benedikta vom Kreuz, und ihre Schwester Rosa befanden.
Meditation:
Jesus tröstet die weinenden Frauen. Jesus war trotz seines Leidensweges mit seiner eigenen Situation im Reinen. Deshalb war er nicht mehr mit sich selber beschäftigt, sondern ganz frei, die Not der Anderen wahrzunehmen. Wir müssen an uns arbeiten, damit wir mit uns selber ins Reine kommen, damit wir von uns selbst loskommen und die Not der Anderen wahrnehmen.
Auch Edith Stein, derer wir in Auschwitz gedenken, öffnet unseren Blick für die Anderen. Sie, die Karmelschwester jüdischer Abstammung, führt uns Christen zu den Juden, in die Solidarität mit den Opfern, die hier umgebracht worden sind.
Gebet:
Liebender Gott, öffne die Augen unserer Herzen für die Lebenssituation anderer Menschen. Besonders wollen wir Dich an dieser Station für die Frauen bitten, die bei Konflikten oft die schwerste Last zu tragen haben. Wir bitten Dich, dass ihre Würde geachtet und ihre Schönheit nicht missbraucht wird, dass die Not ihres Lebens wahrgenommen wird in allen Gesellschaften und Gemeinschaften. Lass uns lernen von Jesus.
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
„Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn.
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast.
Er stellte meine Füße auf den Fels, machte fest meine Schritte“ (Ps 40, 2–3).
Lagererinnerungen:
Die Einwohner eines Dorfes auf der anderen Seite der Weichsel konnten mehrmals in der Nacht, beim hellen Schein der brennenden Leichen, einen Zug nackter Gestalten erkennen, die aus den Auskleidebaracken in die Gaskammern zogen. Sie hörten die Schreie der Menschen, die den nahen Tod vor Augen hatten. Am Tage sahen die polnischen Arbeiter, die in einigen hundert Metern Entfernung von den Bauernhäusern neue Krematorien bauen mussten, wie die Häftlinge etwas aus den Türen dieser Häuser herauszogen, auf flache Rollwagen luden und damit zu den Gruben fuhren. Aus diesen Gruben stieg immer wieder schwarzer Rauch auf. Tausend und mehr Leichen wurden von den Häftlingen des Sonderkommandos in den Gruben aufeinander geschichtet. Zwischen die Leichenschichten kamen Holzschichten, die dann in Brand gesteckt wurden.
Meditation:
Jesus ist zum dritten Mal unter dem Gewicht des Kreuzes gefallen. Das bedeutet, dass er völlig am Ende seiner Kräfte und ganz allein ist. Er tröstet niemanden mehr. Niemand hilft ihm mehr. Er kann nur noch andere mit sich machen lassen, was immer sie wollen, allein darauf vertrauend, dass er von woanders her gehalten wird.
Aus dem Kreuzweg des Maximilian Kolbe von Theo Mechtenberg und Mieczyslaw Kościelniak, einem ehemaligen Auschwitzhäftling, stammt der folgende Text:
„Dem Grauen der Tage folgt kein erlösender Schlaf
Hunger zerschneidet das Gedärm
und der Schmerz hat sich festgefressen
in den Gliedern
dem Dunkel entsteigt die Qual der Gedanken
die Seelen versinken in Einsamkeit
Alpträume beherrschen die Enge der Lager
und Schulter an Schulter mit den Leidensgefährten
erkalten die Toten
In den Nächten erlischt still das Leben
und hinterlässt eine ärmliche Spur
mit dem Ende der Leiden
stirbt auch die Hoffnung
Neben dem Menschen in seinem tiefsten Fall
kniet der Erwählte und bezeugt betend
im Ende neuen Beginn
– Erhebung aus dem Dunkel ins Licht –
und heiligt den Tod“8.
10. Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt
„Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf. Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand“ (Ps 22, 8. 19).
Lagererinnerungen:
Philomena Franz, eine deutsche Sinti, erinnert sich:
„Bei meiner Ankunft in Auschwitz am 21. April […] Wir stehen an der Rampe […] Plötzlich ein fürchterliches Geschrei: «Ausrichten! Entkleiden!» schreit es. Alle entkleiden sich langsam. Es ist bitterkalt. Ich bekomme eine Gänsehaut. […] Abschätzige, neugierige, auch fachmännische Blicke treffen meinen Körper. Das Kleid, das ich noch vor kurzem trug, wird durch ein grobes, gestreiftes ersetzt. Meine Füße stecken in großen Holzschuhen. […] In zwei Minuten wandelt sich ein Zivilist in einen KZ-Häftling. […] Paarweise im Gleichschritt ins Frauenkonzentrationslager, in Steinbaracken. […] Zwei SS-Männer mit Ochsenziemer erwarten uns. Eine Aufseherin will mich auf einen Stuhl zerren, aber da ruft schon einer: «Die nicht, die Haare bleiben!» – «Stell Du Dich mal hier an die Seite», befiehlt er, «mach Deine Haare auf.» Ich habe Haare, die bis zu meinen Knien fallen. Und der sagt: «Die sieht aus wie eine Dschungelprinzessin.» […] Und die deutsche Frau, die neben mir steht, sagt: «Mensch, nun hast Du es gut, Du kommst nun rüber in das Bordell, da hast Du es besser als im Lager.» Da gehen mir die Augen auf. Mir ist so, als würde ich von einem Mühlstein zermalmt, als müsste ich langsam sterben. Ich schließe die Augen, muss mich an eine Wand lehnen, um nicht umzufallen, denke an meine Angehörigen, die hier gestorben sind und vergast wurden. Mein Gott, was tust Du mir hier an! Das kann ich doch nicht, das halte ich doch nicht aus. Diese Qualen. Dann merke ich, dass mein Kreislauf rotiert. Ärger und Verzweiflung kommen in mir hoch. Ich reiße mein Lagerkleid auf und schreie verzweifelt: «Nein, in den Puff gehe ich nicht, dann erschießt mich doch schon! Erschießt mich auf der Stelle!» […] Da packt mich schon die Aufseherin, zerrt mich auf einen Stuhl, reißt mir meinen Kopf nach hinten und schneidet mir brutal und ruckartig die Haare ab. [… Ich werde] die Nummer 10550”9.
Meditation:
In Auschwitz wurden Menschen zu Nummern, ohne jede Individualität. Verwertbare Arbeitskräfte, Material zum Vergnügen der SS-Leute, Rohstofflieferanten selbst noch nach dem Tod: die Haare, das Zahngold, ja sogar die Asche der Leichen wurde weiter verwertet. Für den einzelnen Häftling kam alles darauf an, sich innerlich das Bewusstsein seiner Würde zu bewahren und sie sich gegenseitig immer wieder neu zuzusagen.
Der französische Philosoph Emmanuel Levinas hat Recht, wenn er sagt, dass das Wichtigste, was wir nach Auschwitz ganz neu zu lernen haben, ist, in jedem Menschen das Antlitz mit seinem einmaligen und absoluten Anspruch wahrzunehmen.
Gebet:
Hilf uns, Herr, nie nach äußeren Kriterien zu bewerten, sondern in tiefer Achtung vor dem göttlichen Geheimnis eines jeden Menschen miteinander umzugehen. Und wenn wir selbst einmal nackt dastehen, wenn wir nichts mehr haben, wohinter wir uns verbergen können, dann lass uns mit uns selbst, mit Gott und mit den Menschen im Klaren sein, lass uns ein gutes Gewissen haben, damit wir aufrecht dastehen können, ohne Angst um unsere Würde. Schenke uns einen Glauben, der nach dem Vorbild Jesu den Halt des eigenen Lebens ganz in Gott verankert hat.
11. Station
Jesus wird ans Kreuz genagelt
„Sie durchbohren mir Hände und Füße. Man kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und weiden sich an mir. Sie verteilen unter sich meine Kleiderund werfen das Los über mein Gewand“ (Ps 22, 17b–19).
Lagererinnerungen:
Am Karfreitag 1942 hörte der Priester Pjotr Dańkowski aus Zakopane von einem Kapo in Auschwitz: „Heute wirst Du wie Dein Meister gekreuzigt werden.” Pjotr Dańkowski bekam einen schweren Holzbalken auf seine Schultern gelegt, unter dem er ein paar Mal fiel, bis er unter dem Stiefel des Mörders starb. – In der Strafkompanie wurde einem jüdischen Häftling ein Kranz aus Stacheldraht auf den Kopf gedrückt 10.
Meditation:
Nicht der starke arische Übermensch offenbart uns die Wahrheit über den Menschen, sondern der Gekreuzigte, der in seiner Ohnmacht stark ist, weil er wahr ist. Fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten können. Fürchtet Euch vor dem Tod des Geistes, vor dem Tod der Wahrheit, vor dem Tod der Liebe! Nicht selten sind die wirklichen Sieger von Auschwitz die Opfer gewesen. Beim polnischen Prozess gegen den Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Alfred Eimer in seiner Eröffnungsrede: „Im Wissen um unsere große Verantwortung gegenüber den Toten und Lebenden wollen wir nicht aus dem Auge verlieren, worum es bei dem Kampf derer, die die Freiheit der Völker lieben, ging. Die Achtung vor der Würde des Menschen war das große Ziel. Sie soll auch dem Angeklagten zukommen, denn vor dem Gericht steht vor allem ein Mensch”11.
Gebet:
Lehre uns, Herr, den aufrechten Gang. Lehre uns, Herr, für Wahrheit und Gerechtigkeit, für Barmherzigkeit und Solidarität einzutreten, auch wenn es Nachtelie bringt, auch, wenn es uns ans Kreuz nagelt. Schenke uns den Glauben, der die Kraft dazu schenkt. Schenke uns die Gnade, so wie Dietrich Bonhoeffer, der evangelische Theologe, angesichts seiner bevorstehenden Hinrichtung durch die Nazis, beten zu können:
„Noch will das Alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?” (Mt 27, 46).
„Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist” (Lk 23, 46).
Lagererinnerungen:
Die vielleicht bekannteste Erinnerung an Gottesverlassenheit in Auschwitz stammt aus dem Buch „Nacht” von Elie Wiesel:
„Nie werde ich diese Nacht vergessen, die erste Nacht im Lager, die aus meinem Leben eine siebenmal verriegelte lange Nacht gemacht hat. Nie werde ich diesen Rauch vergessen. Nie werde ich die kleinen Gesichter der Kinder vergessen, deren Körper vor meinen Augen als Spiralen zum blauen Himmel aufstiegen. Nie werde ich die Flammen vergessen, die meinen Glauben für immer aufzehrten. Nie werde ich das nächtliche Schweigen vergessen, das mich in alle Ewigkeit um die Lust am Leben gebracht hat. Nie werde ich die Augenblicke vergessen, die meinen Gott und meine Seele mordeten, und meine Träume, die das Antlitz der Wüste annahmen. Nie werde ich das vergessen, und wenn ich dazu verurteilt wäre, so lange wie Gott zu leben. Nie”12.
Meditation:
Wir wollen an dieser Stelle für alle beten, die in oder nach Auschwitz nicht mehr beten können. Der Himmel über Auschwitz war damals schrecklich leer: Ohne Schmetterlinge, ohne Vögel und ohne Grün. Für viele ist er seitdem auch im religiösen Sinne leer geworden, ist Gott nicht mehr zu finden. Wir wollen diese Erfahrungen ganz ernst nehmen und es uns mit unserem Glauben nicht zu leicht machen.
Gebet:
Wir wollen eine Weile in Stille beten…
Das letzte Werk der Karmelitin Edith Stein heißt „Kreuzeswissenschaft”. Darin schreibt sie:
„Wir wissen […], dass ein Zeitpunkt kommt, in dem die Seele […] völlig in Dunkelheit und Leere versetzt wird. Es bleibt ihr gar nichts anderes mehr, woran sie sich halten könnte, als der Glaube. Der Glaube stellt ihr Christus vor Augen: den Armen, Erniedrigten, Gekreuzigten, am Kreuz selbst vom göttlichen Vater Verlassenen. In seiner Armut und Verlassenheit findet sie die ihre wieder”13.
13. Station
Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt
„Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleopas, und Maria von Magdala“ (Joh 19, 25).
Lagererinnerungen:
Pater Maximilian Kolbe, ein großer Verehrer Mariens, sagte vor seiner Verhaftung in einer seiner letzten Ansprachen an die Brüder seines Klosters: „Den König der Liebe kann man nur durch Liebe ehren, man kann ihm als Gabe nur Liebe geben. … Liebe lässt sich nicht tiefer beschreiben. Man muss sie erfahren. Der Himmel ist nichts anderes als die immer tiefere Vereinigung mit Gott durch die Liebe”14.
Ein Jahr später war Kolbe schon tot. Er war für einen anderen Häftling freiwillig in den Hungerbunker gegangen. Für viele wurde er zu einem Symbol des Sieges über die Macht des Hasses und des Todes in der Kraft des Glaubens und der Liebe.
Meditation:
An dieser Station wollen wir besonders an das polnische Volk denken. Es findet sich auf dem Hintergrund seiner Geschichte in der Situation der „Pieta” wieder, in der die Mutter ihren toten Sohn in den Armen hält. Auch die Ikone in Tschenstochau ist geprägt von einem traurigen Blick der Mutter, die um Leid und Tod weiß und die dennoch nicht aufhört, auch in der „dunklen Nacht” an Gottes Verheißung zu glauben. Wir wollen uns dem Gebet anschließen, das die polnische Gemeinde auf ihrem Kreuzweg an dieser Station betet:
Gebet:
Lasst uns beten für das polnische Vaterland, das so oft gekreuzigt wurde, damit seine Töchter und Söhne Gott treu bleiben, jeden Hass überwinden und den Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit gehen. Gegrüßet seist Du Maria…
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt
„Die Hand des Herrn legte sich auf mich und führte mich im Geist hinaus und versetzte mich in eine Ebene. Sie war voll mit Gebeinen. […] sie waren ganz ausgetrocknet. Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur Du. Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Knochen […] Da sprach ich als Prophet, wie mir befohlen war; und noch während ich redete, hörte ich auf einmal ein Geräusch: die Gebeine rückten zusammen […] Da sagte er zu mir: Rede als Prophet zum Geist […] Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf – ein großes, gewaltiges Heer. Er sagte zu mir: […] So spricht Gott, der Herr: Ich öffne Eure Gräber und hole Euch, mein Volk, aus Euren Gräbern herauf. Ich bringe Euch zurück in das Land Israel. Wenn ich Eure Gräber öffne und Euch, mein Volk aus Euren Gräbern heraufhole, dann werdet Ihr erkennen, dass ich der Herr bin” (Ez 37, 1–4. 7. 9. 10. 11–14).
Meditation:
Das Grab hat nicht das letzte Wort. Wir glauben daran, dass Gott die Opfer nach ihrem Tod nicht im Stich lässt. Aber auch hier auf Erden darf der Tod von Auschwitz nicht das letzte Wort haben. Aus den Knochenresten, die aussehen wie Samenkörner, muss neues Leben erstehen. Auschwitz muss ein Ort werden, der der Welt die Würde jedes einzelnen Menschen bewusst macht und uns in unsere große Verantwortung für den Frieden ruft. So wie einmal aus ganz Europa Menschen nach Auschwitz in den Tod fuhren, so muss die Botschaft von der unverletzbaren Würde aller Menschen in die Welt hinausgetragen werden. Wie es einmal viele Soldaten des Todes gab, so sind wir heute gerufen, unser ganzes Leben einzusetzen für Frieden, Versöhnung und Solidarität. Wenn wir dafür unser Leben geben, geben wir nicht mehr, als alle Opfer gegeben haben.
Gebet:
Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst,
dass ich verzeihe, wo man beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht,
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis herrscht,
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste,
nicht, dass ich verstanden werde,
sondern, dass ich verstehe,
nicht, dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
Abschluss
Wir wollen unseren Weg durch Birkenau mit dem „Vater Unser” beenden. Jemand hat einmal gesagt, es sei ein Gebet, als ob es im Konzentrationslager entstanden sei.
Vater Unser…
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Anmerkungen:
Bibelzitate aus der Einheitsübersetzung
1 Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Hamburg 1989, S. 36.
2 Tadeusz Borowski, Bei uns in Auschwitz, Oświęcim 1992, 114f.
3 Ebenda, 120f.
4 Zofia Pohorecka. Von Mai 1943 bis Januar ‘45 Häftling im Frauenlager, lebte in Oświęcim, wo sie am 5. Januar 2005 starb.
5 Elżbieta Piotrowska, Przesłuchanie (z cyklu „Wizja lokalna w Oświęcimiu“), in: Na mojej ziemi był Oświęcim… Oświęcim w poezji współczesnej, wybór i oprac. Adam A. Zych, Bd. 2, Oświęcim 1993.
6 Stanisława Grabska, Żydzi, „Więź“ 4 (1992), S. 42.
7 „Tygodnik Powszechny“, 2.08.1992.
8 Theo Mechtenberg, Mieczysław Kościelniak, Kreuzweg des Maximilian Kolbe, Kevelaer 1982, IX.
9 Philomena Franz, Zwischen Liebe und Hass. Ein Zigeunerleben, Freiburg 1985, 51ff.
10 Vorfälle sind belegt in: Wiesław J. Wysocki, Bóg na nieludzkiej ziemi. Życie religijne w hitlerowskich obozach koncentracyjnych (Oświęcim, Majdanek, Stutthof), Warszawa 1982, S. 105.
11 Warschau 11.03.1947. Akten zum Höß-Prozess im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau, Bd. 23, Bl. 4.
12 Elie Wiesel, Die Nacht zu begraben, Elischa, Frankfurt-Berlin 1992, 56.
13 Edith Stein, Kreuzeswissenschaft. Studie über Joannes a Cruce, Freiburg-Basel-Wien 1983, S. 107 (Edith Steins Werke, 1).
14 Niepokalanów, Christkönig Sonntag, 27.10.1940. Notiert von Br. Witalian Miłosz, [in:] Konferencje świętego Maksymiliana Marii Kolbego, oprac. i red. Jan Antoni Książek, Władysław Kornel Kaczmarek pod kierunkiem Joachima Romana Bara, Niepokalanów 1990, s. 408.
Redaktion Dr. Manfred Deselaers
Wo keine deutsche Übersetzung vorlag, Übersetzungen aus dem Polnischen von Manfred Deselaers
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